Wenn ich an eine Reha denke, sehe vor meinem geistigen Auge Rentner mit zu großen Jogginghosen in Zeitlupe auf einer Wiese herumlaufen. Deshalb habe ich mich nach meinen 3 Monaten Chemotherapie auch zunächst gegen eine Reha-Einrichtung entschieden und einfach auf die Zeit vertraut. Dann kam allerdings der Rückschlag und ich musste meinen Bauch in einer RLA-Operation aufschneiden lassen. Deshalb habe ich mich nun doch um eine onkologische Reha bemüht.

In diesem Post möchte ich euch ein wenig über allgemeine Fragen und organisatorische Schritte informieren:

Brauche ich eine onkologische Reha?

Die erste Frage lautet eigentlich immer, ob es sinnvoll ist eine Reha zu machen. Viele Hodenkrebspatienten machen keine Reha, weil sie 1. oft eine kurze Behandlungsdauer haben (maximal 4 Zyklen = 3 Monate) und 2. oft jung sind. Das Alter und die günstigen Prognosen stellen einen überschaubaren Heilungsprozess in Aussicht. Trotzdem solltest du die Frage für dich beantworten.

Ich habe dabei drei Fragen im Kopf gehabt: 1. Wie fühle ich mich jetzt und 2. Was erwarte ich von meinem Körper in 5 Wochen. Das ist oft schwer zu beantworten nach einer Chemo. Allerdings dauert die Beantragung einer Reha oft genau so lange.

Ich für meinen Teil wollte möglichst schnell zurück in die Arbeit, weil das Alltag bedeutet und die Krankheit nicht mehr im Vordergrund steht. Deshalb habe ich nach der Chemo zunächst das Hamburger Modell anstatt einer Reha gewählt. Es ist ein Übergangsmodell. Der Patient erhält immer noch Krankengeld und kann zusammen mit seinem Arzt entscheiden, wie viel er arbeiten möchte. Dadurch entfällt der Druck durch die Bezahlung des Arbeitgebers. Diese Entscheidung erwies sich für mich als richtig.

Die 3. Frage war: habe ich ein konkretes Reha-Ziel? Nach der Operation gehe ich aber einen anderen Weg, weil ich jetzt ein konkretes Ziel habe. Ich will meine zerschnittenen Bauchmuskeln aufbauen und den Magen-Darm-Apparat wieder auf Vordermann bringen. Genau das bietet die Reha: Sport mit medizinischer Kontrolle und Ernährungsberatung.

AHB (Anschlussrehabilitation): Zusätzlich gibt es gerade nach Operationen die Option direkt aus dem Krankenhaus eine Anschlussheilbehandlung zu beantragen. Die Zulassung geht oft schneller als bei einer klassischen Reha und wird direkt über das Krankenhaus organisiert. Informiert euch frühzeitig, weil ihr die Option oft nur habt, solange ihr einen stationären Aufenthalt habt.

Antragsstellung: Du kannst deine medizinisch-onkologische Rehabilitation über den Sozialdienst des Krankenhauses beantragen oder du druckst die passenden Formulare aus und füllst sie zusammen mit deinem niedergelassenen Arzt (Hausarzt oder Onkologe) aus. Die Formulare findest du hier.

Welche Reha-Einrichtung pass zu mir?

Nachdem klar ist, ob du eine Reha oder AHB machen willst, muss noch die passende Einrichtung gefunden werden. Für mich war das wichtigste Kriterium nicht die Nähe der Einrichtung, sondern dass sie auf meine Bedürfnisse eingeht. Rehas werden nämlich in der Regel von älteren Semestern besucht und diese haben einfach andere körperliche Voraussetzungen und Bedürfnisse.

Daher habe ich gezielt Reha-Kliniken für jugendliche und „junge Menschen“ gesucht und bin dabei auf Bad Oexen gestoßen. Hier gibt es drei Angebote:

  • Junge Erwachsene Reha (JER bis 32 Jahre)
  • 32plus (diese werde ich machen)
  • 50plus

Hinzukommen noch Reha-Maßnahmen für Eltern mit Kind/ern. Ein sehr sinnvoller Ansatz, weil doch in jeder Altersstufe die Fragen und Anforderung an eine Reha andere sind.

Außerdem habe ich darauf geachtet, dass die Klinik auch eine urologisch-onkologische Betreuung anbietet, falls es doch weitere Fragen zu meiner Grunderkrankung gibt.

Hinweis: Eine sehr ausführliche Liste mit onkologischen Reha-Einrichtungen findet ihr im Kurklinikverzeichnis.

Wer zahlt die Reha?

Die finanzielle Frage kommt zwar am Ende, ist aber nicht unwichtig. Immerhin ist man gerade bei einer onkologische Reha vorher in der Regel arbeitsunfähig gewesen. Deshalb gibt es eigentlich zwei Finanzierungsarten.

  1. Du warst noch nicht länger als 6 Wochen krank geschrieben. Dann zahlt dir dein Arbeitgeber bis zum 42. Tag als Lohnfortzahlung das volle Gehalt. Dies kommt aber bei bei Krebserkrankungen eher selten vor.
  2. Du hast schon Krankengeld erhalten und bist gesetzlich versichert. Dann übernimmt die Deutsche Rentenversicherung deine Versorgung und du erhälst Übergangsgeld.
  3. Selbständige und privat Versicherte erhalten einen individuell ermittelten Ertrag aus 80% ihres letzten Einkommens.
  4. Arbeitslose erhalten das Arbeitslosengeld bzw. das Arbeitslosengeld II.

Übergangsgeld: Das Übergangsgeld für medizinische Rehabilitation wird von der Deutschen Rentenversicherung an alle ausgezahlt, die keine Lohnfortzahlung erhalten. Die Höhe liegt bei 68% eures Nettogehalts ohne Kinder und bei 75% mit Kindern.

Zuzahlung: Wie im Krankenhaus, zahlst zu 10€ pro Tag Versorgungsgeld. Diesen Betrag muss man für 42 Tage zahlen, wird aber nicht gefordert, wenn du Übergangsgeld erhälst.

Reisekosten: In der Regel erhält man einen Reisekostengutschein.Das Formular erhaltet ihr erst, wenn ihre eine Zusage einer Reha-Einrichtung erhalten habt. Dieser wird für die Kosten der An- und Abfahrt ausgestellt und kann für die Deutsche Bahn oder einen PKW benutzt werden.

Wichtig: Das Übergangsgeld und den Reisekostengutschein solltet ihr möglichst früh beantragen, weil die Bearbeitung natürlich immer dauert. Haltet euch ran. Ihr findet alle Formulare hier: G0510 bis G0518

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