Was beinhaltet die PEB-Chemotherapie – Antworten eines Patienten

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Die PEB-Chemo ist eine Standardtherapie gegen Hodenkrebs. Ich musste 4 PEB-Zyklen durchlaufen und möchte andere Hodenkrebs-Patienten über diese Chemotherapie informieren. Aber fangen wir ganz vorne an und steigen wir humoristisch ein:

Die „Modedroge“ PEB ist vor allem unter 25-40 jährigen Männern verbreitet und kommt in der Szene gut an. Die Konsumenten sind so wild darauf, dass sie Mischkonsum betreiben und die verschiedenen synthetischen Substanzen intravenös einführen. Bevor ich euch nun in die Substanzen einführe, muss ich erst noch etwas beichten.

Ich bin ein Betroffener, auch ich habe PEB genommen! Die wichtigste Frage wird sein: Ist die PEB Chemo gut zu vertragen?

Hier erfährst du mehr über den Beginn meiner Hodenkrebsgeschichte:

SO HAT ALLES BEGONNEN

Was steckt hinter dieser PEB-Chemotherapie?

„PEB“ ist eine Kombination aus Zellwachstumshemmern oder Zellgiften (= Zytostatika) bei einer Chemotherapie gegen Hodenkrebs. Das Ziel ist es, alle Krebszellen abzutöten. In der standardisierten Therapie für Hodenkarzinome ist die Chemotherapie nach dem PEB-Schema der zweite Schritt, nach der Hodenentfernung (Orchiektomie).

Ohne Werbung für eine Chemotherapie zu machen zu wollen: Hodenkrebspatienten haben Glück, weil bei Hodenkarzinomen die Chemotherapie ziemlich gut wirkt.

Diese Therapieform bietet eine realistische Chance, den Krebs zu besiegen. Bei anderen Krebsarten ist dies nicht immer der Fall. Bei einigen Krebsarten wirkt eine Chemotherapie erst gar nicht, bei anderen kann die Therapie das Wachstum nur aufhalten, aber die Krebszellen nicht endgültig vernichten.

Was ist ein Chemo-Zyklus?

Grundsätzlich unterscheidet man die PEB-Chemotherapie nach ihrer Dauer. Es gibt sogenannte Zyklen. Ein Chemo-Zyklus ist ein zeitlicher Kreislauf an denen das Gift nach vorgegeben Maßstäben verabreicht wird. Diese Maßstäbe sind so gewählt, dass sie möglichst ideal die Krebszellteilung verhindern.

Wie viele PEB-Zyklen brauchst du? 

Das hängt stark von deinem Stadium, dem Staging und deinem Hodentumor-Typ ab. Wenn du im Stadium 1-2 bist und ein seminom hast, brauchst du manchmal gar keine Chemotherapie oder es reichen 1-2 Zyklen als „Vorsichtsmaßnahme“. Ab dem Stadium 2 und bei nicht-seminomen werden in der Regel 3 bis 4 Zyklen PEB-Chemo fällig.

Wie lange dauert ein Chemozyklus: An den ersten 5 Tage gibt es PEB, am 8. und am 15. Tag Bleomycin. Danach beginnt die Regeneration. Am 22. Tag beginnt der nächste Chemozyklus von vorne. In der Regel erhält ein Hodenkrebspatient zwischen einem und vier Zyklen. Das sind 21 bzw. 84 Tage.

4 Zyklen PEB-Chemotherapie
Übersicht: 4 Zyklen PEB-Chemotherapie

Natürlich haben die Zytostatika nicht nur eine giftige Wirkung auf die Krebszellen. Die „guten“ Zellen werden ebenfalls betroffen. Daher gibt es für die unterschiedlichen Mittel verschiedene potentielle Nebenwirkungen.

In diesem Beitrag findet ihr allgemeine Nebenwirkungen zur Chemotherapie. Trotzdem möchte ich nochmal auf die Besonderheit des PEB-Schemata eingehen.

Nachtrag: Ich habe eine gute Beschreibung von Langzeitfolgen für die PEB-Chemo auf Seite 18  gefunden.

Welche Mittel enthält das PEB-Chemo-Schema?

PEB ist eine bestimmte Kombination aus Zellwachstumshemmern oder Zellgiften (= Zytostatika) bei einer Chemotherapie gegen Hodenkrebs. Die Chemo enhält: Cisplatin (P), Etoposid (E), Bleomycin (B).

  1. Cisplatin (P): Cisplatin führt zu Reaktionen mit der DNA (kovalente Bindungen zwischen dem Doppelstrang) und damit zur Verhinderung der DNA-Replikation, Strangabbrüchen und Zelltod. Es verhindert, dass sich Zellen Reproduzieren und ausweiten. Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Mukositis, Zahnfleischblutung, Haarausfall, Allergie, und Leberfunktionsstörungen. Weitere Nebenwirkungen sind eine Schädigung der Niere und ein Tinnitus oder Sehstörungen, weil das Medikament neurotoxisch ist. Ich hatte zwar eine kurze „Migräne“ mit leichten Lichtblitzen nach der Gabe.
  2. Etoposid (E): nach Interaktion mit der DNA-Topoisomerase II führt Etoposid zu Strangabbrüchen und damit zu Zelltod. Noch mehr Zellen sterben! Die gleichen Nebenwirkungen wie Cisplatin und zusätzlich Leukopenie, Thrombozytopenie und Anämie. Das heißt das Immunsystem wird schwächer.
  3. Bleomycin (B): Bleomycin bindet spezifisch an die DNA und führt zu Strangabbrüchen und Zelltod. In hohen Konzentrationen wirkt Bleomycin als Endonuclease und spaltet die DNA. Dieses Mittel greift vor allem die Lunge an. Daher muss der Kranke besonders aufpassen, sich keine Lungenentzündung einzufangen. Die Gabe von Bleomycin kann zu einer akuten Lungenentzündung oder zu einer späteren Lungenfibrose führen. Deshalb wird das Mittel sofort abgesetzt, wenn erste Anzeichnen eine Lungenentzündung auftreten. Dann wird von einer Unverträglichkeit ausgegangen. Bleomycin kann durch Ifosfamid als Chemomittel ersetzt werden. Dann spricht man von einem PEI-Schema

Die Mischung der drei Substanzen soll gegen Resistenzen und Abwehrstrategien der Krebszellen vorbeugen. Das Motto ist: „Tod den Verrätern!

Mein Körper, ich und die Ärzte gehen nun gegen die Verräterzellen vor, die mir nach dem Leben trachten. Natürlich kann man über den Einsatz von Zellgiften streiten, es ist weder homöopathisch, noch entspricht es einer gesunden Lebensweise. Allerdings hilft die Chemotherapie bei Hodenkrebs sehr gut.

Ich selbst habe erlebt, wenn schnellwachsende Zellen außer Kontrolle geraten: Innere Blutungen und eine lebensbedrohliche Notfallsituation. Deshalb gehe ich diesen Schritt und habe mit den Ärzten einen PEB-Chemo Plan gemacht.

Hier erhältst du weitere Infos zum Thema Hodenkrebs:

Wie gefährlich ist Hodenkrebs?

Nachtrag aus meiner persönlichen Erfahrung mit der PEB-Chemo:

Meine 4 Zyklen PEB-Schema habe ich vom 12.02. bis zum 02.05.2018 erhalten. Die Dauer aller Zyklen betrug knapp 3 Monate.

Die Kosten für eine PEB-Chemotherapie übernimmt die Krankenkasse. Da ich die PEB-Chemotherapie nicht ambulant gemacht habe, sondern für jeweils eine Woche stationär im Krankenhaus war, fielen Aufenthaltskosten an. Jeder Tag im Krankenhaus kostet 10 € für gesetzliche Kassenpatienten.

Chemotherapie PEB
Meine PEB-Chemotherapie in der Charite Berlin Mitte

Chemo ambulant oder im Krankenhaus erhalten – Was ist der beste Weg?

In einigen Krankenhäusern hat der Patient die Möglichkeit die PEB-Chemotherapie ambulant zu erhalten. Das heißt, er geht morgens hin, bekommt einen Venenzugang und die Chemo verabreicht. Danach geht er wieder nach Hause. Dieser Prozess wird 5 Tage wiederholt. Es gibt Patienten, die sogar 3 oder 4 Zyklen so absolvieren.

Ich und fast alle Hodenkrebspatienten, die ich kenne, haben sich allerdings für die Krankenhausvariante entschieden, sprich wir waren die ersten 5 Tage stationär aufgenommen.

Was sind die Vorteile im Krankenhaus? Vor der ersten Chemo haben die meisten Angst, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Das Krankenhaus sorgt dafür, dass immer Ärzte vorhanden sind und für Rückfragen bereitstehen. Das gilt auch für einen Notfall während der Chemo.

Außerdem ist man bei späteren Zyklen deutlich schwächer. Daher muss man nicht täglich von der eigenen Wohnung ins Krankenhaus fahren, sondern wird gleich vor Ort mit der Infusion versorgt. Bestimmten Infusionsarten, wie der ZVK (= Zentraler Venenkatheter) können nur während eines stationären Krankenhausaufenthalts gelegt werden.

Die Nachteile eines Krankenhausaufenthalts während der Chemo:

Das Krankenhaus selbst ist kein sehr angenehmer Ort, man fühlt sich nicht wirklich wohl und liegt mit anderen Menschen im Zimmer. Zudem bekommt man weniger Bewegung. Bewegung ist allerdings gut, weil der Kreislauf in Schwung bleibt und auch die Chemo-Nebenwirkungen nicht so stark auftreten. Außerdem schmeckt das Essen oft nicht wirklich gut.

Oft ist eine eine Charakterfrage und wie viele Zyklen zu absolvieren sind. Ich habe meine Entscheidung nicht bereut. Im Krankenhaus empfande ich Sicherheit und konnte mich auf die Heilung fokussieren.

Wie lange dauert eine Chemo-Infusion?

In den ersten 5 Tagen dauert das gesamte Prozedere mit Spülung und Chemo-Induktion knapp 10 Stunden.

Cisplatin und Bleomycin laufen in ca. 30 Minuten, durch während Etoposid 1 Stunde gedauert hat. Die restlichen 8 Stunden sind für die Spülungen und Schmerzmittel. In dieser Zeit bin ich ständig mit einem Tropf rumgelaufen. Das hat mich ziemlich genervt, weil die Flaschen etwa jede Stunde gewechselt werden müssen.

Je nach Krankenschwester und Freigabe der Medikamente haben wir zwischen 9 und 11 Uhr angefangen.

Die Bleomycin-Spritze habe ich dann ambulant erhalten. Wir haben sie noch mit Kochsalz vermischt. Daher hat die Infusion ca. 45 Minuten gedauert. Dafür habe ich sie meisten recht gut vertragen. Manche Ärzte jagen die Spritze in 5 Minuten rein. Dann reagiert der Körper stärker.

Was sind die Spätfolgen einer PEB-Chemo?

Bisher bin ich von starken Spätfolgen verschont geblieben. Daher habe ich (noch) keine Erfahrungen gemacht.

Grundsätzlich kann sich das Cisplatin langfristig auf das Herz auswirken. Während das Bleomycin die Lunge angreift und eine Lungentoxizität aufweist. Bei einer hohen Dosis kann es langfristig zur Lungenfribose führen. Zum Glück kenne ich persönlich keinen ehemaligen Hodenkrebspatienten der eine Lungenfibrose erlitten hat.

Trotzdem rate ich jedem in der Nachsorge jährlich einen Check beim Arzt zu absolvieren.

Wann gibt es beim PEB-Schema welche Zytostatika?

Für die Fachwissenschaftler oder die Interessierten unter euch habe ich einen Therapieplan nach dem PEB-Schema herausgesucht. Darin könnt ihr das oben erwähnte Zyklenschema erkennen: Die Gabe der Zytostatika findet an den ersten 5 Tagen, am 8. Tag und am 15. Tag.

Hervorgehoben sind die eigentlichen Chemomittel. Die anderen Medikamente können variieren und sollen gegen Schmerzen und Übelkeit helfen, einzig NaCL (= Kochsalzlösung) wird dem Patienten ausreichend intravenös zugefügt. Das Kochsalz spült den Körper durch. Dadurch wird das Gift schneller ausgeschieden und belastet Niere und Leber nicht zu stark.

TagZeitSubstanzEinzeldosisVolumenAppl.
1–50–24 hNaCl0,9 %3000 mli. v.
1−1 hAprepitant125 mgp.o.
1−1 hDexamethason12 mgp.o.
1–5−0,5 hGranisetron1 mgi.v.
1–5−0,5–0 hMannitol10 %250 mli. v.
1−10–0 minBleomycin30 mgBolusi. v.
1–50–0,5 hCisplatin20 mg/m2250 mli. v.
1–50,5–1 hEtoposid100 mg/m2250 mli. v.
1–55–5,5 hMannitol10 %250 mli. v.
2–8morgensAprepitant80 mgp.o.
2–8morgensDexamethason8 mgp.o.
1–8abendsCertoparin3000 IEs. c.
8, 15Bleomycin30 mgBolusi. v.

Nachtrag: Leitlinien zum Thema Hodenkrebs:

In Deutschland werden alle fünf Jahre die Behandlungsleitlinien für einzelne Krebsarten überarbeitet. Hier findet ihr die Leitlinien für Hodentumore. Die letzte Überarbeitung hat 2020 stattgefunden. Darin enthalten ist die Empfehlung für die Behandlung mit der PEB-Chemo und wie viele Zyklen bei welcher Krebsart angeraten werden.

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