Die „Modedroge“ PEB ist vor allem unter 25-40 jährigen Männern verbreitet und kommt in der Szene gut an. Die Konsumenten sind sogar so wild darauf, dass sie Mischkonsum betreiben und die verschiedenen synthetischen Substanzen intravenös einführen. Bevor ich euch nun in die Substanzen einführe, muss ich erst noch etwas beichten. Ich bin ein Betroffener, auch ich nehme PEB!

Was steckt nun also hinter diesem „PEB“?

PEB ist eine bestimmte Kombination aus Zellwachstumshemmern oder Zellgiften (= Zytostatika) bei einer Chemotherapie gegen Hodenkrebs. Das Ziel ist es, alle Krebszellen abzutöten. In der standardisierten Therapie für Hodenkrebs ist die Chemotherapie mit den PEB-Mitteln der zweite Schritt, nach der Hodenentfernung.

Ohne Werbung für eine Chemotherapie zu machen zu wollen: Hodenkrebspatienten haben Glück, weil bei Hodenkarzinomen die Chemotherapie ziemlich gut wirkt. Es gibt also eine realistisch Chance, dass durch diese Therapieform der Krebs besiegt wird. Bei anderen Krebsarten ist dies nicht immer der Fall. Bei einigen Krebsarten wirkt eine Chemotherapie erst gar nicht, bei anderen kann sie das Wachstum nur aufhalten, aber die Krebszellen nicht endgültig vernichten.

Grundsätzlich unterscheidet man die PEB-Chemotherapie nach ihrer Dauer. Es gibt sogenannte Zyklen. Ein Zyklus ist ein Kreislauf an denen das Gift nach vorgegeben Maßstäben verabreicht wird. Diese Maßstäbe sind so gewählt, dass sie möglicht ideal die Krebszellteilung verhindern. Ein Zyklus bedeutet: 5 Tage am Stück Gift, am 8. und am 15. Tag Gift, dann am 21. Tag das ganze von vorne. In der Regel wählt man zwischen einem und vier Zyklen aus. Das wären dann 21 bis 84 Tage.

Natürlich haben die Zytostatika nicht nur eine giftige Wirkung auf die Krebszellen. Auch die „guten“ Zellen werden betroffen. Daher gibt es für die verschiedenen Mittel auch verschiedene potentielle Nebenwirkungen. Ihr findet hier allgemeine Nebenwirkungen zur Chemotherapie. Trotzdem möchte ich nochmal auf die Besonderheit des PEB-Schematas eingehen.

Welche Mitteln enthält das PEB-Schema?

  1. Cisplatin (P): Cisplatin führt zu Reaktionen mit der DNA (kovalente Bindungen zwischen dem Doppelstrang) und damit zur Verhinderung der DNA-Replikation, Strangabbrüchen und Zelltod. Es verhindert, dass sich Zellen Reproduzieren und ausweiten. Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Mukositis, Zahnfleischblutung, Haarausfall, Allergie, und Leberfunktionsstörungen. Weitere Nebenwirkungen sind eine Schädigung der Niere und ein Tinnitus oder Sehstörungen, weil das Medikament neurotoxisch ist. Ich hatte zwar eine kurze „Migräne“ mit leichten Lichtblitzen nach der Gabe.
  2. Etoposid (E): nach Interaktion mit der DNA-Topoisomerase II führt Etoposid zu Strangabbrüchen und damit zu Zelltod. Noch mehr Zellen sterben! Die gleichen Nebenwirkungen wie Cisplatin und zusätzlich Leukopenie, Thrombozytopenie und Anämie. Das heißt das Immunsystem wird schwächer.
  3. Bleomycin (B): Bleomycin bindet spezifisch an die DNA und führt zu Strangabbrüchen und Zelltod. In hohen Konzentrationen wirkt Bleomycin als Endonuclease und spaltet die DNA. Dieses Mttel greift vor allem die Lunge an. Daher muss der Kranke besonders aufpassen, sich keine Lungenentzündung einzufangen. Die Gabe von Bleomycin kann zu einer akuten Lungenentzündung oder zu einer späteren Lungenfibrose führen. Deshalb wird das Mittel sofort abgesetzt, wenn erste Anzeichnen eine Lungenentzündung auftreten. Dann wird von einer Unverträglichkeit ausgegangen. Bleomycin kann auch durch Ifosfamid als Chemomittel ersetzt werden.

Die Mischung soll gegen Resistenzen und Abwehrstrategien der Krebszellen vorbeugen. Das Motto ist: „Tod den Verrätern!“ Mein Körper, ich und die Ärzte gehen nun gegen die Verräterzellen vor, die mir nach dem Leben trachten. Natürlich kann man über den Einsatz von Zellgiften streiten, es ist weder homöopathisch, noch entspricht es einer gesunden Lebensweise. Allerdings hilft die Chemotherapie bei Hodenkrebs sehr gut. Ich selbst habe außerdem erlebt, wenn schnellwachsende Zellen außer Kontrolle geraten: Innere Blutungen und eine lebensbedrohliche Notfallsituation.

Wann gibt es beim PEB-Schema welche Zytostatika?

Für die Fachwissenschaftler oder die Interessierten unter euch habe ich einen generischer Therapieplan nach dem PEB-Schema herausgesucht. Darin könnt ihr das oben erwähnte Zyklenschema erkennen: Die Gabe der Zytostatika findet an den ersten 5 Tagen, am 8. Tag und am 15. Tag.

Hervorgehoben sind die eigentlich Chemomittel. Die anderen Medikamente können variieren und sollen gegen Schmerzen und Übelkeit helfen, einzig NaCL (= Kochsalzlösung) wird dem Patienten ausreichend intravenös zugefügt. Das Kochsalz spült den Körper durch. Dadurch wird das Gift schneller ausgeschieden und belastet Niere und Leber nicht zu stark.

Tag Zeit Substanz Einzeldosis Volumen Appl.
1–5 0–24 h NaCl 0,9 % 3000 ml i. v.
1 −1 h Aprepitant 125 mg p.o.
1 −1 h Dexamethason 12 mg p.o.
1–5 −0,5 h Granisetron 1 mg i.v.
1–5 −0,5–0 h Mannitol 10 % 250 ml i. v.
1 −10–0 min Bleomycin 30 mg Bolus i. v.
1–5 0–0,5 h Cisplatin 20 mg/m2 250 ml i. v.
1–5 0,5–1 h Etoposid 100 mg/m2 250 ml i. v.
1–5 5–5,5 h Mannitol 10 % 250 ml i. v.
2–8 morgens Aprepitant 80 mg p.o.
2–8 morgens Dexamethason 8 mg p.o.
1–8 abends Certoparin 3000 IE s. c.
8, 15 Bleomycin 30 mg Bolus i. v.

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