Zu beginn jeder Krebsdiagnose stellt sich jeder Betroffene die gleiche Frage: Was genau habe ich und wie kann ich den Krebs einordnen. Wie gefährlich sind diese mutierten Zellen in meinem Körper? Die Schulmedizin und Onkologie (=Krebsärzte) haben für die Beantwortung dieser Frage das Diagnose- und Prognosesystem, die TNM-Klassifikation, erstellt. Die Buchstaben der TNM-Klassifikation stehen für die englischen Wörter „tumor“ (Tumor), „node“ (Lymphknoten) und „metastasis“ (Metastase) und beschreiben damit drei wichtige Faktoren in der Einteilung eines Tumors.

Aber wieso hat man das System eingeführt und was ist der Vorteil? Durch eine einheitliche Beschreibung erhalten alle Beteiligten die gleichen Informationen über die Ausbreitung der Erkrankung, es kommt zu weniger Missverständnissen. Der Krebsinformationsdienst hat dies gut zusammengefasst:

  • Behandelnde Ärzte können die Therapie genauer auf den einzelnen Patienten abstimmen, wenn sie wissen, wie weit dessen Erkrankung fortgeschritten ist.
  • Mithilfe des TNM-Systems können Ärzte und Wissenschaftler Behandlungsergebnisse und Studiendaten besser miteinander vergleichen. Ist der TNM-Status eines Betroffenen bekannt, lassen sich auch Therapie-Empfehlungen aus Leitlinien leichter auf seine konkrete Situation übertragen.
  • Der Informationsaustausch zwischen nationalen und internationalen Behandlungszentren wäre ohne ein einheitliches und weltweit anerkanntes System der Tumorklassifikation kaum möglich.

Wofür stehen die Abkürzungen und die Zahlen?

  • T beschreibt die Größe des Ursprungstumors, auch „Primärtumor“ genannt.
  • N gibt an, ob in benachbarten Lymphknoten Krebszellen gefunden wurden. Krebszellen breiten sich gerne im Lymphsystem aus und lagern sich in den Lymphknoten an.
  • M beschreibt, ob Krebszellen auch in anderen Körperregionen oder Organen vorhanden sind. Man spricht dann von „Fernmetastasen“.
  • S gibt die Tumormarker im Blutserum an. Für die S-Klassifikation ist der Nadir (= niedrigster Wert) nach Orchiektomie (= Hodenentfernung) ausschlaggebend.

T: Primärtumor.

  • T0: kein Anhalt für Primärtumor
  • Tis: nicht-invasive Keimzellneoplasie (GCNIS)
  • T1: Tumor beschränkt auf den Hoden und Nebenhoden, keine Gefäß- oder Lymphinvasion.
  • T2: Tumor beschränkt auf den Hoden und Nebenhoden mit Gefäß- oder Lymphinvasion, oder Infiltration der Tunica vaginalis.
  • T3: Invasion des Samenstrangs
  • T4: Invasion des Skrotums

N: Lymphknotenbefall.

  • N0: keine befallenen Lymphknoten
  • N1: radiologisch vergrößerte Lk kleiner 2cm (cN1), maximal 5 Lymphknotenmetastasen unter 2 cm Durchmesser (pN1).
  • N2: radiologisch Lk-Durchmesser zwischen 2–5 cm (cN2), oder mehr als 5 befallene Lymphknoten unter 2 cm Größe (pN2), oder extranodale Infiltration der Lymphknotenmetastase (pN2).
  • N3: Lk-Metastasen größer als 5 cm

M: Fernmetastasen.

  • M0: keine Fernmetastasen
  • M1: Fernmetastasen
    • M1a: nicht regionale Lymphknotenmetastasen, Lungenmetastasen
    • M1b: andere Lokalisationen als M1a

S: Tumormarker im Serum

  • S0: alle Tumormarker im Normbereich
  • S1:
    • AFP <1000 ng/ml und
    • beta-HCG <5000 IU/l und
    • LDH <1,5 fache der Norm
  • S2:
    • AFP 1000–10000 ng/ml oder
    • beta-HCG 5000–50000 IU/l oder
    • LDH 1,5–10fache der Norm
  • S3:
    • AFP >10000 ng/ml oder
    • beta-HCG >50000 IU/l oder
    • LDH >10fache der Norm

TNM-Klassifikation + Pathologie + Tumormarker = finale Staging

Mit dem TNM-System ist der Krebs aber noch nicht vollständig beschrieben. Neben der Größe und der Metastasen ist die Krebsunterart wichtig. In der Pathologe (= Gewebeprobe) wird geschaut, aus welchen Zellen der Hodenkrebs besteht. Die Leitunterscheidung für den Hodenkrebs ist seminom oder non-seminom.

Bei Hodenkrebs werden auch die Tumormarker wichtig. Darunter fallen die Blutserum-Werte Beta-HCG (= Choriongonadotropin) und AFP (= Alpha-Fetoprotein). Falls diese über dem Normbereich liegen, wird davon ausgegangen ist, dass im Körper noch aktiver Hodenkrebs ist.

Zusammen mit der TNM-Klassifizierung, der Pathologe und den Tumormarkern wird das finale Staging des Tumors gemacht. Das Staging ist somit eine zweite Klassifikation und folgt der Tumorstadiengruppierung nach UICC 2017. Die jeweilige Einteilung gibt eine statistische 5-Jahres-Überlebensrate an und bestimmte die Therapie. In der Onkologie gibt es immer bis zu 4 Krebsstadien. Wobei Stadium 4 immer das gefährlichste und mit der schlechtesten Prognose ist.

 

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