Der erste, unausweichliche Schritt nach der Diagnose Hodenkrebs ist eine Entfernung des krebsbefallenen Hodens. Dieser Operation ist ein Standardverfahren und relativ risikofrei. Im Fachjargon heißt der Eingriff radikale inguinale Orchiektomie. In einem frühen Krebsstadium (Stadium I) kann diese Behandlung sogar ausreichend sein und man hat den Krebs ohne PEB-Chemotherapie besiegt.

In diesem Beitrag möchte ich kurz auf die Hoden-Operation eingehen. Ich selbst musste sie nicht durchführen, weil ich einen Bauchhoden mit Verräterzellen hatte. Trotzdem wird es einige meiner Leser interessieren, was auf sie zukommen kann.

Was erwartet euch in dem Beitrag

Wie verläuft eine Hodenentfernung?

Vor der Operation wird die Leistengegend rasiert und desinfiziert. Danach wird die Vollnarkose eingeleitet.

Der betroffene Hoden wird durch einen Leistenschnitt entfernt. Dazu wird ein kleiner Schnitt (etwa 3-6 cm) oberhalb der Leiste (lat. Inguen) durchgeführt. Der Hoden und der Nebenhoden werden von innen mit den Fingern oder einem Stieltupfer  herausgeholt und am Samenstrang abgeschnitten. Bei der Operation wird ein feingeweblichen Schnellbefund gemacht, um weitere Krebszellen im Samenstrang zu finden. Dieser kann gegebenenfalls mitentnommen werden.

Entfernung des Hodens durch einen Leistenschnitt

Nachdem der maligene Hoden entfernt wurde, wird das Keimgewebe mit einem Elektroauter behandelt. Dadurch wird die Blutung gestoppt. Falls der Patient ein Hodenimplantat wünscht, wird dies nun eingesetzt und angenäht. Anschließend vernäht der Operateur Hodenkabsel und Hodensack zunächst unter der Haut (subkuntan). Dann folgt die Hautnaht an der Leiste. Eine Wunddrainage ist meistens nicht nötig, weil der Eingriff relativ klein ist.

Wie lange dauert eine Orchiektomie und der Krankenhausaufenthalt?

Die Operation dauert zwischen 20 und 60 Minuten. Sie wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Im Normalfall dauert der stationäre Aufenthalt 3 – 5 Tage. Es muss ausgeschlossen werden, dass Wundheilstörungen oder Entzündungen auftreten. Außerdem müssen alle Körperfunktionen, wie Aufstehen oder Wasserlassen, in Takt sein.

Welche Risiken hat die Hodenentfernung?

Neben den typischen Operationsrisiken der Narkose und der Blutung, gibt es noch einige spezielle Komplikationen: Nach der Operation kann es an der Wunde zu Leistenschmerzen kommen. Bei der Operation können Nerven irritiert werden (Hypästhesie). Dies macht die entsprechende Stelle taub oder empfindlicher.

Nach der Operation darf der Patient 4-6 Wochen keinen Sport treiben, um einen Leistenbruch (Leistenhernie) zu vermeiden.

Was kostet eine Hodenkebs-Operation in Deutschland?

Nichts, in Deutschland ist die Krebsbehandlung durch die private oder gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt. Es fallen lediglich Krankenhauskosten (10 € pro Tag) an. Zusätzlich können (optionale) Kosten für das Einfrieren der Spermazellen hinzukommen.

Hodenprothese ja/nein?

Ich selbst habe keine Hodenprothese und die meisten Hodenkrebspatienten, die ich kenne, ebenfalls nicht. Die Prothese wird für Krebspatienten angeboten.

Das Implantat ist aus Silikon und wird in den Hodensack eingenäht. Das fällt von außen kaum auf. Die Stelle wird aber auch kaum eingesehen. Daher entscheiden sich die meisten gegen dieses Verfahren.

Die Patienten die sich für eine Hodenprothese entscheiden, tun dies meist aus psychologischen Gründen. Der Verlust des Hodens und die Hodenkrebserfahrung kann das Männlichkeitsempfinden stören. Immerhin geht es um Fortpflanzung und Sexualität, ein sehr intimer Bereich.

Gibt es potentielle Nachwirkungen? Die Nahtstelle der Prothese kann auch noch Jahre später ziehen und das Material kann sich grundsätzlich entzünden. Dies kommt aber sehr selten vor.

Weitere Fragen:

Bin ich ohne Hoden unfruchtbar?

Nein, eine einseitige Entfernung des Hodens (auch Semikastration genannt) senkt zwar zunächst den Testosteronspiegel, führt aber in der Regel nicht zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit.

Nur eine Entfernung beider Hoden (bilateral) führt zu einer Unfruchtbarkeit, weil der Körper kein Testosteron mehr produziert.

Trotzdem ist es ratsam vor der Operation und der womöglich danach anstehenden Chemotherapie eine Kyrokonservierung der Spermien zu durchzuführen. Dieser Schritt kostet etwa 500 € im ersten Jahr. Die Lagerungskosten in den darauffolgenden Jahren betragen zwischen 100 € und 200 €. In Zukunft soll das aber die Krankenkasse übernehmen.

Beeinflusst die Entfernung meine Potenz?

Nein, nicht dauerhaft. Ein Hoden kann genug Testosteron produzieren, um die Manneskraft und die Zeugungsfähigkeit zu erhalten. Allerdings kann es nach der Operation zu Schmerzen oder vorübergehenden Errektionsproblemen kommen, weil das Gewebe irritiert ist.

Wo finden ich Erfahrungsberichte über Hodenoperationen?

Das Hodenkrebs-Unterforum im Krebs-Kompassforum ist eine gute Quelle für Erfahrungsaustausch über die Operationen.

Einen weiteren Erfahrungsbericht von einer Person ohne Hoden, findet ihr bei Furious Pete. Ich verlinke meinen Beitrag zu dem Thema.

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