Heute ist Dienstag, der 15.05.2018 und ich erhole mich von meiner Chemo. Die Erholung schreitet sehr langsam voran, aber es geht bergauf. Selbst meine weißen Blutkörperchen steigen wieder! Sie waren gestern bei 2.35 (Normalwert 3.90 – 10.50). Die allgemein Fitness wird auch ein wenig besser, auch wenn ich meinen Körper noch nicht wirklich belasten kann.

Heute möchte ich euch daher einen kurzen Rückblick meiner Chemo geben. Sie soll den unkundigen Lesern einen kurzen Einblick geben und Betroffenen verraten, was sie erwarten können:

Seit dem 14.02.2018 habe ich insgesamt 4 Zyklen Chemotherapie erhalten: 3x PEB und 1x PEI und damit die maximale Dosis in der 1. Richtlinie absolviert. Ein Zyklus beinhaltet jeweils 5 Tage stationären Aufenthalt und am 8. und 15. Tag ambulant nochmals Bleomycin. Während der gesamten Dauer (14.02. – 02.05.2018) war ich krankgeschrieben, um mich voll auf die Chemo/Genesung konzentrieren zu können. Mein Job war: „nicht krank werden!“ (Erkältung etc.) Ich werde nun einige Erfahrungen teilen und diese in verschiedene Bereiche einordnen.

Allgemein zur Chemo:

  • Grundsätzlich habe ich die Chemo relativ gut überstanden, auch wenn es kein Spaß war.
  • Es gab keine gefährlichen Komplikationen.
  • Ich hatte keine extrem schlimmern Nebenwirkungen oder sehr starke Schmerzen.
  • Mich hat jeweils dem während und nach dem 5-tägigen Krankenhausaufenthalt eine ausgeprägte Müdigkeit und Schwäche befallen, die mit jedem Zyklus zugenommen hat. Ich habe oft geschlafen und lag viel im Bett.
  • Diese Schwäche hält auch noch jetzt, 2 Wochen nach Abschluss der Chemo, an.
  • Während der Chemo habe ich keinen Sport getrieben (gerade in den ersten zwei Zyklen wäre das möglich gewesen und ich bereue es ein wenig). Ich habe aber versucht täglich 30 Minuten spazieren zu gehen.
  • Ich konnte meistens (außer am Ende der stationären Chemo) alles Essen und bin auch oft Essen gegangen, einfach weil mir das am meisten Spaß gemacht hat.
  • Ein wichtiger Faktor während und nach der Chemo war die Beschädigung meines Knochenmarks. Dadurch wurde die Blutproduktion geschwächt. Das Resultat ist ein schlechtes Blutbild. Der Hämoglobinwert war immer unter 11 (Normalwert 13.5 – 17.0), meist eher zwischen 9 und 10. Die Leukozyten fielen vor allem nach dem Tag 15, also dem  ende eines Zyklus, meist unter 1.
  • Ich habe ungefähr 8 Kilo abgenommen.
  • Übelkeit hatte ich selten, weil ich das sehr gute Mittel Zofran erhalten habe. Nur am Ende der ersten 5 Tage eines Zyklus (volle Dosis stationär) hatte ich starke Geschmacksveränderungen, leichte Übelkeit und meist leichte Halsschmerzen.
  • Fieber bekam ich nur einmal, vermutlich wegen der niedrigen Leukos. Bisher habe ich auch keinen bakteriellen oder viralen Effekt gehabt.
  • Nach jeder Chemo hatte ich Verstopfung. Dadurch habe ich leiderHämorrhoiden entwickelt.
  • Wege der schwachen Immunabwehr (Leukos) bekam ich Mundpilz. Dieser war allerdings nur auf der Zunge und konnten gut mit einer Mundspülung bekämpft werden.

Meine Ernährung während der Chemo:

  • Ich habe kurz nach Nahrungsergänzungsmitteln gesucht. Vor der Behandlung hatte ich mir Orthomol Immuntabletten geholt. In der Chemo dann aber darauf verzichtet, weil einige Ärzte sich nicht sicher waren, ob die Tabletten und das viele Vitamin C nicht mit der Chemo interferiert. Außerdem verbessern sie nicht das Blutbild und da ich selten mit Infekten zu kämpfen hatte, sah ich keinen Grund sie zu nehmen.
  • Meine Ernährung habe ich teilweise umgestellt. Ich esse deutlich mehr Obst (Apfel, Birne, Banane), mehr Fisch, mehr Gemüse, weniger Fleisch (nur 1x mal 2x die Woche und fast nur Huhn). Ich habe auch Süßes bzw. Chips reduziert. Natürlich gab und gibt es Rückfälle 🙂
  • Ich war seit Januar insgesamt 6-7 Wochen im Krankenhaus und habe dort meist das Mittagessen abbestellt. Gerade das Mittagessen ist auf Dauer unzumutbar. Vor allem die Fertigsaucen lösten bei mir schon durch den bloßen Geruch einen Brechreiz aus aus. Daher wurde ich oft von Zuhause mit frischem Essen versorgt (z.B. Gemüse mit Reis oder Pizza!).
  • Pizza war für die mentale Zufriedenheit unabdingbar! Die gab es als Margarita-Variante ungefähr zwei- bis dreimal mal die Woche. Der Vorteil bei Pizza ist, dass man sie trotz Appetitlosigkeit oder Geschmacksveränderung immer essen kann und sie hilft ein wenig gegen den Gewichtsverlust.

Mittel gegen Nebenwirkungen:

  • Die Verstopfung habe ich mit Hausmitteln bekämpft: Flohsamen, Pflaumensaft, Sauerkraut, Obst.
  • Halsschmerzen wurden ebenfalls mit Hausmitteln bekämpft: Viel Tee trinken, Salbeibonbons, Salzwasser gurgeln.
  • Ich hatte durch meine schwache Abwehr Mundpilz bekommen. Im Krankenhaus erhielt ich Ampho-Moronal, welches sehr gut half.
  • Bei Fieber bin ich einmal sofort ins Krankenhaus (Notaufnahme). Dort erhielt ich ein  fiebersenkendes Mittel und Antibiotika. Ich würde hier keine Hausmittel anwenden, weil die Fieberursache während der Chemo unbedingt abgeklärt werden muss.
  • Wegen der niedrigen Leukos musste ich immer wieder ins Krankenhaus. Hier erhielt ich Filgastrim Aufbauspritzen. Die Urologen waren sehr vorsichtig und ich sollte bei Leukos unter 1 sofort auf in die Umkehrisolation.

Nach der Chemo:

  • Die Rehafrage ist noch offen. Das Hauptproblem hier ist, dass der Bewilligungszeitraum 5 Wochen geht und ich nicht weiß, ob ich in 5 Wochen überhaupt eine Reha brauche…
  • Ich schaue mich gerade nach Sportangeboten für Krebspatienten um. Ich will erstmal Kurse machen und später dann Fitnesscenter, wenn das Blutbild wieder okay ist. Im Moment bin ich noch zu stark im Arsch.
  • Ich fange mit Qi Gong an, um zusammen in der Gruppe Sport zu machen. Es gibt auch eine spezielle Krebsvariante dafür, ist quasi chinesisches Walken (Guolin Qi Gong).
  • Ich mache Zuhause Entspannungsübungen und meditiere ab und zu. Am besten gefällt mir die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.
  • Ernährungstechnisch werde ich auch weiterhin weniger Fleisch essen und dabei sehr stark stark auf Qualität achten. Mein Ziel ist es weiterhin nur zweimal pro Woche Fleisch zu essen.
  • Ich habe mir vorgenommen Ernährungsberatungsseminare für Krebspatientien zu besuchen, weil ich die ganze Episode einfach auch als „externen Schock“ betrachte und die Gelegenheit nutze möchte ein paar Dinge in meinem Leben vorteilhafter umzusetzen.
  • Deshalb gibt es noch weitere Bereiche in meinem Leben, die ich ändern möchte. Dazu wird es aber einen eigenen Beitrag geben.

 

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