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Du hast oder hattest Krebs und fühlst dich oft müde oder bist schnell erschöpft? Dann hast du vielleicht Fatigue, eine Nebenwirkung der Krebstherapie.

In diesem Artikel findest du allgemeine bschließend bleibt zu sagen, dass der Zustand immer besser wird. Grundsätzlich geht es bei mir bergauf.Informationen über diesen Erschöpfungszustand und meine persönliche Erfahrung als Hodenkrebspatient.

Vorweg gilt: Ich bin kein Arzt. Daher solltest du alle Empfehlungen mit deinem Arzt absprechen.

Was ist das Fatigue-Syndrom nach Krebs?

Fatigue ist ein Zustand der geistigen und körperlichen Erschöpfung während und nach der Krebstherapie.

Das Wort kommt aus dem Französischen und heißt Erschöpfung. Es heißt übrigens weder Fatique noch Fatige und wird so ausgesprochen. In diesem Zustand kann es zu fehlendem Antrieb, anhaltender Müdigkeit und Kraftlosigkeit kommen. Die Erschöpfung wird auch nicht durch Schlaf und Erholungsphasen ausgeglichen. Zusätzlich können Konzentrationsschwierigkeiten oder Kopfschmerzen hinzukommen.

Dieser Erschöpfungszustand beeinflusst die Lebensqualität, weil die Schwäche und die Antriebslosigkeit den Alltags erheblich erschwert und auf die Psyche schlägt.

Wie erkenne ich eine Fatigue bei mir?

Eine Häufung dieser Anzeichen ohne klare körperliche Zuschreibung kann auf das Syndrom hinweisen:

  • schnelle Erschöpfung auch bei kleinen Tätigkeiten
  • Gefühl der Schwäche
  • Antriebslosigkeit, Mangel an Motivation
  • starke Müdigkeit, die durch Ruhephase nicht besser wird
  • reduzierte körperliche Belastbarkeit
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsstörung und leichte Kopfschmerzen

Die Symptome sind ähnlich dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CSF). Die Ursachen sind bei einer krebsbedingten Erschöpfung allerdings andere.

Wie häufig tritt Fatigue auf?

Während einer Krebsbehandlung leiden fast alle Patienten (90%) unter Fatigue-Beschwerden. Bei einem Teil verschwinden die Symptome nach ein paar Wochen wieder.

Es kann aber zu einer chronischen Fatigue kommen, wenn der Zustand länger anhält. Dies passiert bei etwa 20% bis 50% aller Krebspatienten. In diesem Fall erhalten sich die Symptome in unterschiedlicher Intensität über mehrere Monate oder Jahre.

Wie entsteht Fatigue?

Die Ursache des Fatigue-Syndrom ist nicht eindeutig geklärt. Es spielen viele Faktoren eine Rolle. Darunter zählen die Veränderung des Körpers durch die Krebszellen, die Einflüsse der Behandlung (Chemotherapie, Medikamente, Bestrahlung) auf die Blutbildung und psychologische Faktoren.

Die eindeutigste und am besten messbare Ausgangslage ist eine Blutbildveränderung. Die Chemotherapie verändert die Blutbildung des Körpers für eine gewisse Zeit. Dadurch kann der Hämoglobin-Normalwert (Rote Blutkörperchen) sinken. Diese Blutarmut (Anämie) kann zu einer Unterversorgung mit Eisen oder Sauerstoff führen. Dadurch ist der Körper weniger leistungsfähig und schneller ermüdet.

Die anderen Faktoren sind nicht objektiv messbar. Die Blutarmut und Mangelerscheinungen sollten aber immer ausgeschlossen werden, weil sie am leichtesten behandelbar ist.

Ein indirekter Faktor ist die Bettlägerigkeit während der Behandlung; oftmals bauen die Muskeln ab und der Körper wird schwächer. Ich habe zum Beispiel 9 Kilo abgenommen. Das verstärkt den Effekt.

Müdigkeit und Erschöpfung bei Krebs: Fatigue ein Erfahrungsbericht 1

Mein Erfahrungsbericht über Fatigue nach der Chemotherapie

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Erschöpfung sind vielfältig. Zu dem Zeitpunkt an dem ich diesen Artikel geschrieben habe, sind 10 Monate seit meiner Chemo vergangen. Ich fühle mich relativ gut. Trotzdem gibt es immer wieder Phasen, die ich dem Fatigue-Syndrom zuschreibe. Aber der Reihe nach:

Während der Chemotherapie:

Während meiner Krankenhausaufenthalte habe ich 4 Zyklen PEB-Schema erhalten. Ich musste jeweils für 1 Woche in das Krankenhaus und habe 5 Tage Zytostatika bekommen. Danach durfte ich wieder gehen. In den 2-3 Tagen nach dem Aufenthalt war ich am schwächsten. Ich habe länger für die Treppen gebraucht, mein Kreislauf war schwach, ich bin jeden Tag um 8 Uhr eingeschlafen und habe fast nur im Bett gelegen.

Dieser Prozess wurde immer stärker von Zyklus zu Zyklus. Nach meinem letzten Krankenhausbesuch Ende April 2018 war ich eine Woche dauermüde, sehr schwach und habe den allergrößten Teil der Zeit im Bett verbracht. Ich konnte nur kurze Spaziergänge machen und fühlte mich wie ein 70-jähriger Mann.

Diese Erfahrung war komisch, weil ich dachte, dass es nie wieder aufhört und es sehr anstrengend ist, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist. Ich war daher auch leicht reizbar und fühlte mich depressiv. Ich wollte das Bett nicht mehr verlassen und hatte auf nichts Lust.

Diese Phase hat sich dann aber von Woche zu Woche gebessert. Nach etwa 3-4 Wochen war die Müdigkeit deutlich weniger geworden. Ich bin sogar für 5 Stunden in die Arbeit gegangen, um zu testen, wie fit ich bin.

Das Jahr nach der Behandlung

4 Monate nach der Behandlung habe ich eine Krebs-Reha in Bad Oexen absolviert. In dieser Zeit trieb ich zum ersten Mal wieder intensiv Sport und konnte dadurch die Müdigkeit weiter mindern.

Was ich aber gemerkt habe ist: Wenn du es übertreibst, wird der Körper aus anderen Gründen schlapp. Ich habe in der ersten Reha-Woche fast dauernd schlafen können, weil mein Körper die Leistung nicht mehr gewohnt war. Er nimmt sich dann die Auszeiten.

Seit der Reha bin ich für den Alltag gut gerüstet. Ich schaffe alles und fühle mich meistens fit. Trotzdem habe ich immer noch einen Eisenmangel und es gibt öfter Fatigue-Phasen von 2-3 Wochen, in denen ich sehr müde bin.

Mich irritiert das regelmäßig, weil ich denke, dass nach 10 Monaten eigentlich alles vorbei sein sollte. Aber diese Erschöpfungsphasen kommen immer wieder. Die Arbeit ist davon meist ausgenommen, weil ich unter Anspannung stehe. Wenn ich aber nach Hause komme oder am Wochenende, lege ich mich sofort hin und schlafe sehr viel.

Mich belastet das mental, weil ich denke, dass ich eigentlich leistungsfähiger und motivierter sein sollte. Ich mache mir dadurch Sorgen, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmt. diese Sorgen steigern sich bei mir manchmal zu einer Angst.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Zustand immer besser wird. Grundsätzlich geht es bei mir bergauf.

Update: Nach etwa 14 Monaten geht es weiter bergauf.

Ich spüre zwar noch diese starke Müdigkeit, ich mache nun aber mehr Sport. Ich habe dafür einen Sporttest gemacht. Dieser hat ergeben, dass ich sehr stark abgebaut habe und langsam mit dem Ausdauertraining beginnen soll. Ich hoffe dies hilft mir wieder fitter zu werden.

Was hilft gegen die Erschöpfung?

Die Fatigue hat viele Ursachen, deswegen sind die Maßnahmen dagegen unterschiedlich. Aber der erste Schritt ist, zu verstehen, was mit deinem Körper passiert. Deshalb hilft es oft ein Tagebuch zu führen, wenn du anfängst zu verzweifeln und dich die Müdigkeit fertig macht.

Als erstes solltest du den Arzt konsultieren, um andere Ursachen der Probleme auszuschließen. Dieser kann durch ein Blutbild feststellen, ob die körpereigene Chemie für den Zustand verantwortlich ist und ob alle Organe normal funktionieren. Zur Not kann er sogar eine Bluttransfusion veranlassen. Dies kommt aber extrem selten vor und hilft nur in Notsituationen.

Danach bist du gefragt. Der Alltag, die Psyche und die Bewegung sind zentrale Baustellen:

  • Angepasste körperliche Bewegung: Die Bewegung ist der wichtigste Baustein. Trotz Müdigkeit, ist es wichtig sich zu bewegen. Der Kreislauf muss in Schwung bleiben. Je nach Fitnesslevel solltest du dir eine Aktivität aussuchen, die Spaß macht und zu dir passt. Walking ist definitiv ein guter Anfang. Wenn du dir unsicher bist, sprich mit deinem Arzt und mach einen Fitnesscheck oder suche eine Krebssportgruppe auf.
  • Der richtige Plan für den Alltag: Du musst nicht alles auf einmal machen. Dein Körper erlebt durch die Verräterzellen einen gefährlichen Angriff. Du bist geschwächt und hast eine harte Behandlung hinter dir. Daher schau was wichtig für dich ist und nimm alles Stück für Stück in Angriff. Die Kraft kommt wieder. Bis dahin solltest du dir einfach einen Plan machen, was du wirklich machen musst und möchtest.
  • Entspannung und guter Schlaf: Auch wenn der Schlaf nicht immer erholsam wirkt, es ist wichtig eine gute Schlafphase zu haben und klare Schlafzeiten einzuhalten. Außerdem kannst du verschiedene Entspannungstechniken, wie Meditation, Autogenes Training oder Jacobsen Muskelentspannung machen. Letztere hat mir oft geholfen. Daher verlinke ich sie:
  • Psychologische Betreuung: Es kann bei einer Fatigue sogar zu einer leichten depressiven Stimmung kommen, weil du denkst, dass einfach nichts mehr klappt. Daher ist es bei härteren Fällen sinnvoll einen Psychoonkologen oder Psychologen zu Rate zu ziehen. Ich habe das auch gemacht.
  • Gesunde Ernährung: Ich bin kein leuchtendes Beispiel. Aber ausgewogene Ernährung und weniger Junk Food formen einen fitten Körper. Daher Obst, Gemüse, Fisch, Eier und ausgewogene Portionen. Gerade während der Chemotherapie ist es wichtig gesund zu Essen und viel zu Trinken. Der Körper wird angegriffen und du wirst oft keinen Hunger haben. Daher nutze die Mahlzeiten und führe dir Vitamine, Spurenelemente und wichtige Stoffe zu, damit keine Mangelerscheinungen auftreten.
  • Selbsthilfegruppen: Oftmals hilft es schon mit anderen Betroffenen darüber zu sprechen und deren Erfahrungen anzuhören. Daher gibt es viele Krebsselbsthilfegruppen. Für Jüngere gibt es die Treffpunkte der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Ich habe noch eine Infografik zur Fatigue bei Krebs angehängt, die alles nochmal auf einen Punkt bringt:

Infografik Fatigue

Hier findest du 7 Tipps gegen Fatigue nach Krebs

Weitere Informationen

Hier findest du Links zu weiteren Informationen über das Erschöpfungssyndrom:

Ich möchte zwei Artikel zum Thema Sport und Krebs hinzufügen:

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