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Ihr habt gerade die Diagnose Hodenkrebs erhalten und wollt nun wissen, was ihr genau habt?

Hier findet ihr Antworten auf wichtige Fragen. Die Zielgruppe sind natürlich Männer, aber auch Frauen sind herzlich eingeladen sich zu informieren. Früherkennung bei eurem Partner ist wichtig!

Was erwartet euch in dem Beitrag?

Was ist Hodenkrebs?

Ein Hodenkrebs bzw Hodenkarzinom ist eine maligne (= fachsprache der Mediziner für bösartig) Tumorerkrankung des Hodens und seiner Keimzellen. Der ICD-Code für die Krankheit lautet C62.

Was sind die Ursachen für Hodenkrebs? Die Ursachen sind wie bei vielen Krebsarten nicht genau bekannt. Umwelteinflüsse, Vererbung und bestimmte Krankheitsbilder spielen eine Rolle und erhöhen die Chancen einen Hodentumor zu entwickeln. Zusätzlich gilt der Hodenhochstand als Quelle für ein erhöhte Risiko. Bei etwa 10% aller Männer mit einem Bauchhoden entwickelt sich ein Hodentumor.

Welche Hodenkrebsarten gibt es?

Die Urologen unterscheiden bei Hodenkarzinomen zwischen seminom und non-seminom.

Etwa 45% aller Tumore sind seminom und 55% aller Hodenkrebse sind non-seminom. Dabei wird jeder Tumor der nicht seminome Anteile enthält als non-seminom klassifiziert. Die verschiedenen Tumortypen weisen verschiedene Merkmale auf:

Seminom:

Seminome Tumore haben ein relativ langsames Wachstum und ein Rezidiv (= Rückkehr des Krebses) kann bis zu 2–10 Jahre nach der Therapie auftreten.

Im Gegensatz zu non-seminomen sind seminome Tumore für eine Strahlentherapie empfänglich. Die Bestrahlung wird allerdings nur in frühen Stadien durchgeführt. Bei den Tumormarkern kommt es nur selten zu einem erhöhten Beta-HCG Wert, während der AFP Wert nie erhöht ist.

Oftmals reicht bei einem seminom schon eine einfache Hodenentfernung. Danach wird durch eine engmaschige Überwachung (das sogenannte Wait & See), kontrolliert, ob der Krebs verschwunden ist.

Non-Seminome Typen:

Diese Tumortypen können nur operativ oder mit einer Chemotherapie behandelt werden. Eine Bestrahlung hilft nicht.

      • Embyonalzellkarzinom (30%) ist ein grau-weiß fleischiger Tumor mit Einblutungen, Zysten und Nekrosen. Bei den Tumormarkern kann es zu erhöten AFP und Beta-HCG werden kommen.
      • Dottersacktumor (5%) ist der häuftigste Tumor bei männlichen Kleinkindern und bei den Tumormarkern ist der
        AFP Wert erhöht, während der Beta-HCG nicht erhöht ist.
      • Teratom (30%) kann sowohl gut als auch bösartig sein. Die Tumormarker AFP und Beta-HCG sind nicht erhöht. Dieser Tumortyp ist oft resistent gegen Chemotherapie und muss operativ entfernt werden.
      • Chorionkarzinom (10%) ist die aggressivste Tumorform und bildet relativ schnell Metastasen. Dabei kann der Beta-HCG überproportional hoch sein. Meiner war bei 62.000. Es gibt aber auch Fälle mit sech- oder siebenstelligen Zahlen. Der AFP-Wert kann erhöht sein.
      • Mischformen (50%) der oben genanten Tumortypen kommen ebenfalls vor. Die Therapie wird nach den Richtlinien für non-seminome Tumore bestritten.

Wie erkenne ich Hodenkrebs? Welche Symptome gibt es?

Wie bei jeder Krebsart ist die Früherkennung wichtig. Daher solltet ihr regelmäßig selbst an beiden Hoden abtasten. Bei folgenden Symptomen solltet ihr definitiv einen Urologen aufsuchen:

      • Tastbare Verhärtung: Wenn ihr an einem eurer Hoden eine tastbare Verhärtung oder einen Knoten spürt, ist es Zeit zum Arzt zu gehen. Es ist nämlich fast ausgeschlossen, dass beide Hoden erkranken.
      • Vergrößerung des Hodens: Durch Flüssigkeitsansammlungen oder Tumorwachstum kann der Hoden anschwellen.
      • Druckschmerzen und Ziehen am Hoden: Wenn der Tumor größer wird, drückt er auf Nerven oder es kann sogar zu Blutungen kommen. Beides kann leichte bis starke Schmerzen beim Fahrradfahren oder engen Hosen erzeugen. Spätestens jetzt ist es Zeit einen Urologentermin zu machen!
      • Blutwerte und Tumormarker: Es gibt bestimmte Blutwerte, die auf einen Hodenkrebs hinweisen. Beta-humanes Choriongonadotropin (Beta-HCG) ist der wichtigste dieser Werte, weil er bei den meisten Hodenkarzinomen erhöht ist. Zusätzlich ist er ein zentraler Indikator für den Krankheitsverlauf. Daneben gibt es noch den AFP und LDH Wert.

Hier ist eine kleine Grafik, wie ihr euren Hoden testen und Unregelmäßigkeiten erkennen könnt:

Diagnose Hodenkrebs: Was bedeutet das? 2

Hodenkrebs Selbsttest

Bitte geht bei Zweifel oder Unklarheiten zum Arzt. Die Diagnose verläuft über Blutabnahme, Tasten und Ultraschall. Keine dieser Maßnahmen ist schmerzhaft oder eklig. Habt keine Angst und kümmert euch frühzeitig um eure Eier! Warten oder falsche Scham können eure Gesundheit gefährden.

Ich hänge noch ein Video der „Testicular Cancer Campaign“ von Deadpool an. Sehr gelungen, muss ich sagen:

Wie häufig ist Hodenkrebs?

Zunächst das wichtigste: Hodenkrebs ist eine seltene Erkrankung, aber ist die häufigste Krebserkrankung unter jungen Männern.

Laut der Krebsdatenbank gab es 2014 4070 Neuerkrankungen mit einem Hodenkarzinom in Deutschland. Somit erkranken 10 von 10.000 Männer pro Jahr an Hodenkrebs. Es gab 153 Todesfälle in diesem Zusammenhang.

Vor allem in der Altersgruppe der 25 bis 45-jährigen Männern führt Hodenkrebs die Liste der Krebsneuerkrankungen an. Das Durchschnittsalter beläuft sich auf 38 Jahre.

Als Vergleich habe ich eine Übersicht über Krebstypen und die Neuerkrankungen angehängt. Männer erkranken damit sehr häufig an Prostatakrebs (63.400 Fälle), Lungenkrebs (33.960 Fälle) oder Darmkrebs (35.350 Fälle). Nur 1,6% aller Krebserkrankungen sind somit auf einen Hodentumor zurückzuführen.

Diagnose Hodenkrebs: Was bedeutet das? 3

Krebsneuerkrankungen in Deutschland 2012

Bei Männern in Deutschland ist Krebs die zweit häufigste Todesursache (30%) nach Herz-Kreislauf-Problemen (38%).

Auf Grund der geringen Fallzahlen bei Hodenkrebs gibt es heute ein Zweitmeinungszentrum. An dieses Zweitmeinungszentrum können sich sowohl niedergelassene Urologen als auch Patienten wenden.

Wie wird man Hodenkrebs wieder los?

Die Behandlung für Hodenkrebs folgt einem Standardverfahren. Das Ziel ist in der Regel die komplette Heilung des Krebspatienten.

      • Der erste Schritt ist immer die operative Entfernung des Primärtumors und des befallenen Hodens. Dieser erste Schritt wird Orchiektomie genannt. Der Patient hat danach nur noch einen Hoden. Allerdings schränkt das weder die Fähigkeit der Fortpflanzung noch der Ejakulation ein. Also keine Angst! In frühen Stadien eines Hodenkarzinoms reicht dieser Schritt sogar aus. Zusätzlich kann man ebenfalls bei kleineren seminomen Hodenkrebsen eine lokale Bestrahlung durchführen.
      • Der zweite Schritt ist in der Regel allerdings eine Chemotherapie. Je nach Stadium werden ein bis vier Zyklen nach dem PEB-Schema verabreicht. Diese Therapieform schlägt ebenfalls recht gut an.
      • Falls der Patient einen weit fortgeschrittenen Tumor hat oder der Tumor nach ein paar Jahren wieder zurückkommt (= Rezidiv), gibt es noch weitere Chemotherapie-Alternativen, wie die Hochdosistherapie.

Wie sind die Heilungschancen bei Hodenkrebs?

Viele Menschen fragen sich: „Hodenkrebs, wann ist es zu spät“?

Die Überlebenschancen sind sehr gut. Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Hodenkarzinomen liegt bei 90 bis 95%. Diese Krebsart ist heilbar und hat statistisch somit die besten Überlebensraten vor Brustkrebs mit 85%.

Allerdings kommt es bei Hodentumoren stark auf die Krebsart an. So haben seminome ohne Metastasen eine Überlebensrate von 95%. non-seminome Tumore oder metastasierte Hodenkrebse weisen hingegen eine Überlebensrate zwischen 50% und 95% auf. Selbst im Stadium 3 gibt es noch relativ hohe Heilungschancen.

Unbehandelt ist ein Hodentumor tödlich, weil diese Krebsart in die Lunge oder das Gehirn streuen kann.

Die gute Überlebensrate liegt daran, dass der Hoden mit einer Orchiektomie leicht operiert werden kann. Die Die Hoden sind keine lebenswichtigen Organ ist (man(n) hat sogar 2 Eier!) und die PEB-Chemotherapie wirkt gegen diesen aggressiven Tumortyp gut.

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