Heute ist Montag, der 03.09.2018, und ich bin nun mehr als einer Woche in der onkologischen Reha in Bad Oexen. Ich versuche jede Woche einen  Bericht zu schreiben und euch ein kleines Stimmungsbild zu vermitteln. Vorweg:

Ich rate jedem, der eine Krebstherapie hinter sich hat oder an anderen größeren Krankheiten erkrankt war, eine Reha zu machen. Nicht jede Einrichtung ist gut, trotzdem ist eine Rehabilitation an sich doch für die meisten sinnvoll. Ich habe zunächst gezweifelt, aber die Mischung aus körperlicher Aktivität, sozialen Beziehungen, Entspannung und Reflexion wirkt, auch wenn oft nur Impulse gegeben werden können. Außerdem hilft es vielen Patienten, wenn sie mal 3 Wochen aus ihrer Alltagsumgebung herausgenommen zu werden.

Anreise

Die Anreise von Berlin aus war sehr entspannt und hat ungefähr 3,5 Stunden gedauert. Als ich in Bad Oeyenhausen angekommen bin, wurde ich von einem Shuttle-Service aus Bad Oexen abgeholt. Außerdem bekommt ihr die Fahrtkosten für die Bahn von der Deutschen Rentenversicherung rückerstattet.

Konzept

Bad Oexen hat ein ausgewiesenes Konzept für unterschiedliche Altersstufen. Es gibt ein Programm für junge Erwachsene (18 – 32 Jährige „JER“), es gibt mein Programm (33 – 49 Jährige „32Plus“), dann gibt es die große Rentnerfraktion und ein Kinderhaus für Kinder mit Krebs oder für Eltern mit Krebs und ihren Kindern. Die Programme sind ein voller Erfolg. Auch ich habe deshalb Bad Oexen als Kurort für mich ausgewählt. Im Vordergrund steht der Kontakt zu gleichaltrigen Mitpatienten, weil diese oft ähnliche Probleme haben. Die Jugendlichen werden darüber hinaus noch stärker eingebunden und auch ein wenig überwacht (trotzdem feiern sie genug).

Durch die altersgerechte Integration findet jeder schnell Gesprächspartner. In der Gruppe 32Plus kann jeder individuell seinem Tagesplan folgen, aber durch gemeinsame Aktivitäten am Abend und die Mahlzeiten wird trotzdem der Kontakt gefördert. Eine ausgewogene Mischung.

Aktivitäten

Was wird hier geboten? Es gibt ein riesiges Angebot an Aktivitäten. Deshalb möchte ich nur auf die Sachen eingehen, die ich mache und am Ende noch eine kurze Liste anhängen. Grundsätzlich sind alle Veranstaltungen betreut und die die Betreuer sind durchwegs hilfsbereit und sehr freundlich.

Mein Hauptziel ist es, körperlich wieder fitter zu sein. Deshalb mache ich Ausdauertraining in einem kleinen betreuten Sportraum (Ergometer, Crosstrainer etc.) und auf einer Rundstrecke im Wald (450m). Jeder wird angehalten seine Leistungsgrenzen selbst festzulegen, es kann aber jederzeit ein Betreuer um Rat gefragt werden. Zusätzlich mache ich ein leichtes Muskeltraining an Geräten, welches aber sehr moderat ausfällt, weil ich wegen meiner großen Narbe am Bauch Respekt vor den Gewichten habe. Zum Abschluss gehe ich täglich in die Bewegungstherapie – mittel. Diesen Kurs habe ich allerdings mit Rentnern zusammen, von daher ist die Anstrengung überschaubar. Wenn ihr Bodyworkout machen dürft, würde ich euch das empfehlen, weil viele davon schwärmen.

Insgesamt mache ich ungefähr 2 Stunden Sport pro Tag. Zum Vergleich: Vorher hatte ich seit Januar kein Sport gemacht. Daher ist das ein großer Erfolg für mich, auch wenn ich hier keine Höchstleistungen vollziehe.

Zusätzlich gibt es Vorträge über das Thema Ernährung, „Rund ums Geld für Krebspatienten“, Fatigue (Erschöpfung) oder andere psychologische Themen. Einige Vorträge sind okay, während andere langweilig sind. Es kommt aber immer auf den eigenen Wissensstand an und ob man offen für die Thematik ist. Erwartet aber kein Feuerwerk an neuen Informationen.

Weil wir schon beim Thema Psyche sind. Es gibt auch Psychoonkologen. Ich hatte eine Sitzung mit einer sympathischen Dame. Die Stunde war hilfreich, weil mein Hypochonder hier ein wenig durchdreht. Natürlich ist das nur ein kurzer Anriss, trotzdem empfehle ich jedem sich über das Thema zu informieren und Hilfe anzunehmen und diese Zuhause zu vertiefen. Es gibt Angebote und es kann Sinn machen.

Desweiteren gibt es Entspannungskurse: Qi Gong, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training etc. Die Kurse sind durchwegs professionell geführt und richten sich an Einsteiger. Sie sind genau das richtige zum reinschnuppern.

Was gibt es noch?

  • Ergotherapie (Teddy-Bär basteln und vieles mehr)
  • Schwimmen (Aquagynmastik, freies Schwimmen) in einem kleinen aber feinen Schwimmbad
  • Bodyworkout (Eigenkörpertraining, welches ich haber nicht mache, weil ich den Bauch nicht anspannen soll)
  • Massagen
  • Kochkurse (Wobei der Thema Ernährung kein Kernpunkt ist. Das würde ich auch als einzigen echten Schwachpunkt ansehen).
  • Kegelbahn, Billard-Tisch und Dartanlage

Dies sind nur einige Aktivitäten von mehr als 400 Kursangeboten.

Kegelbahn

 

Essen

Nahrung ist ein zentraler Bestandteil der körperlichen Genesung und viele kennen das wirklich armselige Essen aus den Krankenhauskantinen. Deshalb möchte ich den Punkt hier anschneiden: Wir bekommen Morgens und Abends ein kaltes Buffet. Es ist ausreichen und die Qualität ist akzeptabel. Erwartet allerdings nur Varianten von Aufschnitt, Käse, Salat und Gemüse. Ich werde durch das Abendessen meistens nicht satt. Das liegt aber daran, dass ich meist warme Mahlzeiten zu mir nehmen muss, um wirklich satt zu werden. An ausgewählten Tagen gibt es Abends aber Pizza oder Suppen und am Dienstag wird gegrillt. Trotzdem gehe ich des öfteren Abends mit Mitpatienten in ein Lokal. Im nahe gelegenen Bad Oeyenhausen gibt es dafür auch genug Auswahl.

Bad Oexen Essen

Das Mittagessen ist ausgiebiger und bildet die größte Mahlzeit. Es gibt ein Salatbuffet und meist eine Suppe als Vorspeise. Zusätzlich wähle ich zu Beginn der Woche für jeden Tag ein Gericht aus drei Angeboten aus. Es ist immer eine vegetarische Mahlzeit im Angebot. Die Portionen sind meist ausreichend, manchmal fallen sie leider ein wenig klein aus. Dafür kann man aber Nachschlag beantragen. Meine Mitpatienten und ich geben dem Essen eine 2 bis 3. Passt also.

Zur Not kann man über Lieferhelden bei Burgerking bestellen und ein KFC ist auhc in Bad Oeyenhausen zu finden.

Menschen

Der wichtigste Punkt sind aber die Mitpatienten und der Informationsaustausch. Es ist sehr wichtig, dass alle hier Krebserkrankungen durchgemacht haben oder durchmachen. Dadurch greifen alle auf einen ähnlichen Erfahrungsschatz zurück und das Verständnis steigt. Oftmals verstehen nämlich Angehörige, Freunde oder Ärzte nicht, was eine Chemo wirklich bedeutet, weil ihnen die Erfahrungsdimension fehlt. Die Patienten hier reden oft über das Erlebte und tauschen sich aus. Faktisch ist es eine sehr lockere Selbsthilfegruppe.

Trotzdem kommt der Spaß natürlich nicht zu kurz. Es gibt Gemeinschaftsräume, wir gehen zusammen Wandern oder Essen. Die Entspannung und Ablenkung durch Spaß und ein wenig Alkohol sind nämlich genauso wichtig. Keiner soll und kann dauernd über Krankheiten sprechen (vor allem ich sollte das nicht machen).

Bisher muss ich sagen, dass ich die meisten sehr sympathisch finde. Ich bin dankbar, hier neue Kontakte gefunden zu haben. Viele haben auch krasse Krankheitsgeschichten hinter sich, trotzdem ist es kein Wettbewerb. Jeder wird auf seine Art ernst genommen.

Nächste Woche kommt dann der zweite Eintrag und ich werde mehr Bilder einbauen.

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