Hodenkrebs und Rezidiv – Antworten eines Patienten

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In diesem Beitrag geht es um Hodenkrebs und den Rezidiv-Fall (=Krankheitsrückfall). Ich versuche aus Patienten- und Laiensicht wichtige Fragen zu beantworten.

Hier erfährst du mehr über den Beginn meiner Hodenkrebsgeschichte:

SO HAT ALLES BEGONNEN

Was ist ein Rezidiv?

Ein Rezidiv in der Onkologie ist das Wiederauftreten des Tumors nach vermeintlicher Zerstörung.

Wenn nach der Strahlenbehandlung oder PEB-Chemotherapie der Krebs nicht mehr nachweisbar ist und später trotzdem wieder ein Tumor auftritt, liegt ein Rezidiv vor. Es gibt Fälle in denen nicht ganz klar ist, ob es ein Rezidiv des alten Tumors ist oder ein neu auftretender Krebs. Dies passiert, wenn der Zeitraum zwischen Behandlung und Wiederauftreten mehr als 5 Jahre beträgt oder sich eine andere Unterart des Keimzellentumors zeigt.

Wann gilt Hodenkrebs als geheilt?

Generell gilt der Patient nach einer Krebserkrankung als geheilt, wenn nach 5 Jahren kein Rezidiv aufgetaucht ist. Jeder Krebs danach wird als neuartiges Phänomen betrachtet.

Was sind die Symptome?

Die Symptome sind oft unspezifisch. Wichtige Faktoren sind ansteigende Tumormarker (vor allem Beta-HCG) oder eine Bildgebung mit vergrößerten Lymphknoten oder Raumforderungen. Wobei das CT und MRT ausschlaggebender sind.

Wann und wo können Rezidive auftreten?

Bei Hodenkrebs sind Rückfälle selten, weil die PEB-Chemo gut anschlägt, der Tumor gut zu operieren ist und die Patienten relativ jung sind. Wenn der Tumor wieder auftaucht, passiert das meist in den ersten zwei bis drei Jahren nach Abschluss der Behandlung.

In seltenen Fällen (1-2%) passiert der Krankheitsrückfall erst fünf oder zehn Jahre nach der Behandlung. Dieser werden Spätrezidiv genannt.

In Fünfprozent der Fälle trifft ein Tumor im zweiten Hoden auf. Allerdings muss der neue Tumor nicht genau an der gleiche Stelle wachsen. Daher ist es sinnvoll neben dem Bauchraum auch die Lunge zu überwachen. Sehr selten gibt es Rückfälle als Knochenmetastasen oder im Gehirn.

Prognose: Wie sind die Chancen bei Hodenkrebs ein Rezidiv zu erleiden?

Wie hoch die Rückfallchancen sind, kommt auf das Ausgangsstadium, die Art des Keimzellentumors und die Lokalisierung an.

Für Patienten mit einem non-seminom sieht die Lage wie folgt aus:

  • Patienten mit nichtseminomen Tumoren haben eine 19% Wahrscheinlichkeit auf einen Rückfall. Allerdings kann diese Wahrscheinlichkeit steigen, wenn die Lymphknoten befallen wurden oder der Tumor sehr groß ist (über 6 cm). Dann liegt die Chance auf ein Rezidiv leider bei etwa 50%.
  • Etwa 30% aller Patienten mit einem metastasierten Tumor entwickeln ein Rezidiv.

Für Patienten mit einem seminomen Hodentumor sieht es ein wenig anders aus. Diese Grafik aus dem Ärzteblatt zeigt das schön:

 

 

 

Übersicht Hodenkrebs Rezidiv seminom
Übersicht Hodenkrebs Rezidiv seminom

Seminom und non-seminome sind verschiedene Unterarten von Hodenkrebsen. In der Regel ist das seminom leichter zu behandeln und ungefährlicher.

Hier erhältst du weitere Infos zum Thema Hodenkrebs:

Wie gefährlich ist Hodenkrebs?

Therapie: Wie wird ein wiederkehrender Hodentumor behandelt?

Vorweg: Ich bin nur ein ehemaliger Patient ohne Rezidiv. Daher habe ich kaum eigene Erfahrung damit und verweise auf die Fachliteratur des Leitlinienprogramms der Onkologie. Es gibt noch eine kürzere Patientenvariante. Grundsätzlich ist ein Rezidiv immer ein Fall für Spezialisten und urologische Fachzentren. Auf der Seite Hodenkrebs.de findet ihr für alle Bundesländer wichtige Zentren.

Nach der Erstlinienbehandlung, die meist eine Orchiektomie (=Hodenentfernung) und eine PEB-Chemo vorsieht, kommt eine sogenannte Salvage-Chemotherapie (engl. Salvage = Rettung) zum Einsatz. Eine Operation alleine hilft oftmals nicht.

Die Salvage-Chemo ist eine Mischung aus Cisplatin, Ifosfamid und Etoposid (PEI) oder Placlitaxel (TIP). Damit ähnelt dieses Schema der PEB-Chemo.

Jetzt kommt eine gute und eine schlechte Nachricht. Falls nach dieser Chemo noch etwas vorhanden ist, ist man noch nicht austherapiert. Es gibt noch Chancen. Allerdings würde nun eine Hochdosis-Chemo anfallen, die deutlich aggressiver und gefährlicher ist. Hierfür wird Carboplatin und Etoposid genommen. Die Hochdosis-Chemo wird nur an onkologischen Zentren verabreicht, weil hierbei die Blutbildung des Knochenmarks zerstört wird und durch die Gabe von eigenen Stammzellen wiederhergestellt wird. Ein riskanter Vorgang.

Welche Heilungschancen gibt es bei einem Rezidiv?

Die Heilungschangen einer Salvage-Chemotherapie liegen bei Hodenkrebs etwas bei 50%. Das zeigt leider, dass ein Rezidiv auch bei Hodenkrebs nicht ungefährlich ist. Zwei Jahre nach der Behandlung leben noch 78%.

Hodenkrebs und Nachsorge: Was solltest du wissen?

Wie wir oben gelernt haben, sind die ersten 2-3 Jahre nach der Behandlung entscheidend. Deshalb ist die Nachsorge in dieser Zeit sehr engmaschig. Es gibt unter Patienten und Urologen Debatten, ob MRT und CT für die Bildgebung sinnvoll ist. Ich will hier keinen generellen Ratschlag geben. Ich und viele die ich kenne haben direkt nach der Chemo ein CT gemacht und danach bin ich zum MRT gewechselt, weil die Strahlenbelastung geringer ist.

In diesem Artikel findet ihr mehr Details zu der Nachsorge bei Hodenkrebs.

Am wichtigsten ist die Bildgebung (MRT), die im 1. Jahr 4x, im 2. Jahr 4x und ab dem 3. Jahr 2x erfolgt. Die Tumormarker und eine Ultraschall-Untersuchung des 2. Hodens sollte dem gleichen Rhythmus folgen.

Was sind die Spätfolgen von Hodenkrebs?

Zum Thema Langzeitfolgen und Hodenkrebs habe ich einen ausführlichen Teil geschrieben. Daher gibt es hier nur die Kurzfassung.

Ihr solltet langfristig auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder auf Herz-Kreislauf-Probleme aufpassen. Das sind mögliche Spätfolgen, die nach einer Chemo meist problematischer sind als Rezidive.

Meine persönliche Erfahrungen

Leider kann ich an der Stelle selbst wenig beitragen, weil ich zum Glück kein Rezidiv hatte. Ich kenne allerdings 2-3 Leute denen das passiert ist und zwar auch nach 5-10 Jahren. Daher nimm diese Krankheit ernst und gehe regelmäßig zum Arzt. Das ist meine Bitte an dich.

Hast du Fragen? Dann kontaktiere mich unter patrick@krebskrampf.de

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