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Heute ist Dienstag, der 19.06.2018 und ich war in der Charité, um das Aufklärungsgespräch und die Voruntersuchung für die retroperitoneale Lymphadenektomie Operation (RLA) zu machen. Immerhin sind es nur noch zwei Tage, bis ich operiert werde. Die Spannung steigt und ich kann nicht wirklich gut schlafen.

Wenn ihr ebenfalls Hodenkrebspatienten seit und bald unters Messer müsst, möchte ich euch über das Thema informieren. Was erwartet euch in dem Beitrag?

  • Wie geht es mir vor der Operation?

    Mich beunruhigt die Zeit nach der Operation, weil ich einerseits Bedenken vor der Wundheilung habe (immerhin habe ich eine Maximalrunde PEB-Chemotherapie hinter mir) und andererseits meine Eingliederung in die Arbeitswelt später stattfindet. Natürlich kostet mich das Geld, Projekte in der Arbeit werden verzögert und im Hinterkopf sind Zukunftsängste (Komplikationen, unklare Situation, ob der Krebs weg ist, Langzeitfolgen).

    Gerade die Komplikationen müssen nicht eintreten, aber ich hätte auch keinen Hodenkrebs bekommen müssen oder die Chemo hätte auch alles vernichten können. Auf unwahrscheinliche Szenarien gebe ich im Moment nicht wirklich viel. Es passiert das, was passiert. Ich gebe natürlich nicht auf und mache die nötigen Therapien, aber ich habe keinen Bock bei jedem Schritt so zu tun, als ob alles gut ist und ich keine Angst habe.

    Wie verläuft die RLA-Operation (Retroperitoneale Lymphadenektomie)?

    Ich wurde heute über mögliche Komplikationen aufgeklärt und wir sind die Operation durchgegangen. In der Retroperitoneale Lymphadenektomie wird mein Bauch aufgeschnitten und die 2cm große Raumforderung wird herausgeholt.

    Operationsgebiet

    Operationsgebiet

    Zusätzlich entfernen die Ärzte noch Lymphknoten in dem Bereich, weil sich die Krebszellen in diesen oft einnisten. Deshalb sind vergrößerte Lymphknoten immer suspekt und werden rausgeschnitten. Die Ärzte schauen morgen genau die Bilder des MRTs an, ob sie etwas übersehen haben.

    Ansonsten wird in der Operation entschieden, wie viele Lymphknoten entfernt werden müssen. Dabei werden während der OP Gewebeproben entnommen und Schnelltests gemacht. Meine Hoffnung ist natürlich, dass sie möglichst keine aktiven Krebszellen finden. Wenn die Operateure nichts finden, müssen sie nämlich die Wunde nicht so groß aufschneiden und die Wundheilung wird weniger problematisch. Gleichzeitig bedeutet das, dass in mir kein/kaum Verräterzellen vorhanden sind. Das wäre gut!

    RLA-Operation Schnitt

    RLA-Operation Schnitt. Ich erhalte die offene Variante links.

    Vor der Operation erhalte ich noch eine sogenannte PDA (Periduralanästhesie) ins Rückenmark. Das ist ein Schmerzkatheter. Dieser gibt automatisch Schmerzmittel ab. Bei Bedarf kann ich die Dosis selbst per Pumpe erhöhen.

    Die postoperativen Schmerzen sind dadurch deutlich schwächer. Außerdem erhalte ich einen Blasenkatheter. Ich will das hier gar nicht genauer ausführen, weil mir schon davor graut. Es ist nicht sonderlich schmerzhaft, aber WER WILL BITTE EINEN SCHLAUCH IN SEINEM PENIS HABEN… Natürlich werde ich das auch überstehen und er bleibt nur 1-2 Tage drin.

    Insgesamt ist die Operation kompliziert. Sie ist aber nicht sehr gefährlich. Je nach Wundheilung werde ich zwischen 4 und 7 Tagen im Krankenhaus verbringen. Die ersten postoperativen Tage werden sicherlich nervig. Danach geht es an die Wundheilung und den Aufbau der Bauchmuskulatur. Ich werde auch eine Anschlussheilbehandlung (= Reha) beantragen.

    Was sind potentielle Risiken einer RLA-Operation?

    Ich habe oben die Komplikationen angesprochen. In der Tat gibt es gewissen Risiken bei einer retroperitonealen Lymphadenektomie. Zunächst sind hier die üblichen Verdächtigen bei einer Operation:

    • Verletzung der Nerven, dadurch kann es zu anhaltenden Gegenirritationen im Bauchbereich kommen)
    • Innere Blutungen (bei manchen liegt die Arterie in der Nähe)
    • Wundinfektionen / Wundheilungsstörungen
    • Verletzung der Nachbarorgane (Darm, Bauchspeicheldrüse)
    • Postoperativ: Thrombose

    Eine Besonderheit ist die (geringe) Chance auf eine retrograde Ejakulation. Bei einer retrograde Ejakulation wird der Sperma in den hinteren Teil der Harnröhre, d.h. die Blase angegeben. Der Ausfluss kommt also nicht mehr aus dem Penis heraus. Der Orgasmus und das Gefühl bleibt bestehen, kann aber gedämpft sein.

    Verursacht wird diese Komplikation durch eine oft permanente Irritation der jeweiligen Nerven. Es gibt Methoden den Sperma herauszufiltern. Trotzdem ist es ratsam vor einer RLA-Operation die Spermien einzufrieren, falls dies noch nicht vor der Chemotherapie geschehen ist.

    Psychologisch kann das problematisch werden, weil dadurch das Selbstbild des Mannes leidet.

    Wie gings mir nach der Operation?

    Den Bericht über den Verlauf meines Eingriffs finde ihr hier: Nach der Operation und die Zusammenfassung der Ergebnisse hier: Krebsfreie Zone.

    Update (30.06.) Erfahrungsbericht: 1 Jahr nach meiner Operation

    Meine Operation liegt genau 1 Jahr zurück. Daher nutze ich die Gelegenheit und gehe auf meine Erfahrungen und Nebenwirkungen ein. Im Großen und Ganzen ist alles gut verlaufen. Der Eingriff bleib bisher die letzte Episode meines Kampfes gegen den Hodentumor. Ich hatte keine retrograde Ejakulationsprobleme und die Wundheilung verlief ohne größere Probleme.

    Die Regenerationszeit meines Bauchschnitts lag bei etwa 3-4 Wochen. Danach war ich schmerzfrei und konnte wieder alles im Alltag machen. Die ersten Jogging und Laufübungen habe ich nach 2,5 Monaten begonnen. Konkrete Bauchübungen habe ich aber erst nach 4-5 Monaten gemacht. Ich war hier aber auch sehr vorsichtig, weil ich keinen Narbenbruch riskieren wollte.

    Heute spüre ich den Schnitt immer noch leicht. Er juckt ab und an. Außerdem habe ich eine starke Keloidbildung. Auch nach einem Jahr ist meine Narbe noch rot und leicht gewölbt. Ich hatte dieses Problem allerdings schon vorher. Meine schlechte Haut neigt zu dieser Überreaktion. Bei den meisten hat sich die Narbe nach 6-8 Monaten der normalen Hautfarbe angepasst und ist glatt.

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