Heute ist Sonntag, der 16.09., und ich bin wieder Zuhause in Berlin-Mitte. Die ersten drei Tage nach der Reha waren ein kleiner Kulturschock, weil Bad Oexen und Berlin bis auf das B am Anfang doch kaum etwas gemein haben. Die Menschenmassen, die Luft, die Kleidung, die Hektik, alles ist ziemlich anders. Was besser ist? Keine Ahnung. Das wird sich zeigen.

Im Moment bin ich noch leicht im Reha-Blues, weil die Reha in Bad Oexen eine sehr besondere Mischung aus Urlaub und Klassenausflug mit Krebsspastikern war. Mit den meisten Menschen habe ich mich wirklich gut verstanden und wir hatten tolle Gespräche oder konnten einfach herzhaft lachen (über Besteck und Tischregeln!). Ich habe schon lange nicht mehr so viel ohne Alkohol gelacht, wie in der Reha. Auch auf das gemeinsame Essen habe ich mich immer gefreut, weil nette Tischnachbarn auf einen gewartet haben. Und wie alle wissen, freue ich mich immer über Essen. Leider durfte ich nicht verlängern.

Mir ist klar geworden, dass Leiden und geteilte Erfahrungen auch unter fremden Menschen Verständnis und Nähe erzeugen. Eigentlich waren wir alle eine permanente Selbsthilfegruppe, mit dem geheimen Auftrag Spaß zu haben und ein wenig Sport zu treiben. Die Zeit besorgt den Rest.

Reflexionen im Teutoburger Wald

Die drei Wochen waren eine Einladung auf sich selbst zu hören und das Leben zu reflektieren: Was willst du, was ist dir wichtig. Die Antworten sind nicht immer sofort klar, aber es gab genügend Impulse und Anregungen. Eigentlich sollte jedem Arbeitnehmer so etwas alle paar Jahre zustehen. Es hilft den Blick zu schärfen und zeigt, dass keiner völlig alleine ist.

Im Gegensatz dazu steht nun der Alltag an. Dieser wird zum einen fordernd, zum anderen folgt er anderen Regeln. Außerdem habe ich mir viele Dinge vorgenommen, die ich ändern möchte. Die Anmeldung im Fitness-Center habe ich gestern durchgezogen und versuche täglich eine progressive Muskelentspannung einzulegen. Außerdem werde ich wieder öfters zum Fußball fahren und mir auch andere Aktivitäten überlegen.

Zusätzlich fühle ich noch eine gewisse „Getrenntheit“ von Menschen ohne Krebs. Es gibt verschiedene Phänomene, die Menschen ohne die Erkrankung nicht wirklich nachvollziehen können. Das wird sicher bald schwächer. Trotzdem gibt es manche Beschäftigungen, die ich vorher mochte, die mir aber jetzt keinen Spaß (PC spielen) mehr machen oder manche Themen erscheinen mir hohl bzw. langweilig. Das liegt an mir. Durch den Krebs hat sich nicht nur mein Körper, sondern auch mein Kopf geändert. Was das genau heißt und wie die Zukunft aussieht, ist zwar noch offen. Aber ich bin bereit.

Danke Oexengang

Ohne die Mitarbeiter und vor allem meine Reha-Mitpatienten wären die letzten drei Wochen aber nicht so schön gewesen. Daher möchte ich natürlich auch allen danken (einige werde ich sicherlich vergessen): Andreas, Annika, Stephan, Nadine, Karo (WoW bringt Leute zusammen), Bianca, Jürgen, Simone, Sandra, Andrea, Andreji, Loretta, Volker, Tobi (mein Gesichtszwilling), Anil, Sven, der Eineiige-Basti, Torsten, Drina, Meike, Michael, Pavlo, Christel, Simone, der Oexengang: Kathrin (die mit den 5 Koffern), Schlagzeug-Basti (der Graf) und meinen zwei besten Tischgefährtinnen Ivi (der Stern brennt hell in dir) und natürlich das Küken Tina (innerlich musste ich bei deinen Portionen immer weinen!).

Ach noch ein Geständnis: Ich habe einmal nur den halben Tisch gedeckt…

Ich hoffe, dass sich die ein oder andere Freundschaft gebildet hat und ich einige wieder treffe. Wenn einer von euch jemals wieder Probleme mit Verräterzellen hat bzw. es kritisch wird, meldet euch.

Und was passiert jetzt?

Morgen geht’s wieder in die Arbeit und zwar 40 Stunden pro Woche. Nach knapp acht Monaten Zwangspause ist mir schon ein wenig mulmig zumute, weil ich Angst vor Fatigue habe. Trotzdem werde ich testen, ob ich durchhalte kann und nach dem Krebs etwas gelernt habe. Außerdem steht der erste Nachsorgetermin im MRT am Donnerstag an und ich werde ein paar Leberflecken rausschneiden lassen. Kerbsvorsorge ist wichtig! Lasst euch checken, egal ob Darm, Prostata oder Haut – Fuck Cancer.

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