Dieser Beitrags soll über die Nebenwirkungen einer Chemotherapie aufklären. Ich möchte vermitteln, was grundsätzlich erwartet werden kann, was ich erlebt habe und welche kleinen „Tipps & Tricks“ während der Chemotherapie gibt. Grundsätzlich kann die Ausprägung und die Intensivität der Nebenwirkung so individuell sein, wie jeder Krebs und Mensch.

Anmerkung: Ich führe diesen Beitrag erweiternd, weil ich gerade selbst noch am Anfang der Therapie stecke und sich bisher die Nebenwirkungen noch stark in Grenzen halten. Bis ich einzelne Aspekte oder Erfahrungen ergänzt habe, möchte ich noch auf die gute Sammlung von Lutz verweisen. Er war mir eine gute Inspiration und ist sehr ausführlich.

Müdigkeit (Fatigue-Syndrom): Der Angriff auf die Zellteilung durch die Chemo macht sich im Körper bemerkbar. Der Körper arbeitet ständig. Zusätzlich wird das Rückenmark und damit das Blut geschwächt. Dadurch merkt man eine allgemeine Schwächung. Der Körper ist einfach nicht fit und man kommt schneller außer Atem. Nach zwei Zyklen bin ich noch relativ fit. Aber mehr als 30 Minuten spazieren gehen am Tag sind auch bei mir nicht drin.

Tipp: Trotzdem solltet ihr nicht den Fehler machen und euch dauernd im Bett aufhalten. Falls die Bedingungen es zulassen, solltet ihr versuchen den Kreislauf in Schwung zu halten und euch möglichst viel bewegen. Dies hilft auch bei der Verarbeitung der Chemomittel. Es gibt sogar ganz fitte Patienten die leichten Sport machen. Sprecht das aber unbedingt mit eurem Arzt ab!

Fieber: Fieber ist eigentlich keine direkte Nebenwirkung. Es deutet darauf hin, dass der Körper seine Abwehrkräfte aktiviert, indem er die Körpertemperatur erhöht. Gleichzeitig hat man als Chemopatient in der Regel ein schwächeres Immunsystem und weniger Abwehrkräfte.  Die Ursache für so eine Aktivierung kann (muss aber nicht) eine Infektion mit Bakterien oder Viren sein. Diese haben bei einem schwachen Immunsystem natürlich bessere Chancen Schaden anzurichten. Deshalb solltet ihr bei Fieber (38 Grad) sofort einen Arzt kontaktieren oder sogar in die Rettungsstelle gehen. Hier wird die Ursache für das Fieber abgeklärt. Bei einer Infektion bekommt ihr sofort ein Breitbandantibiotika gereicht.

Haarausfall: Die wohl bekannteste, weil sichtbarste Nebenwirkung bei einer Chemotherapie ist der Haarausfall. Bei mir ging es am Ende des 1. Zyklus los (Tag 14-16). Auf einmal konnte ich mir die Haare mit der Hand vom Kopf ziehen.

Tipp: Ich habe sie danach auf 3 mm abgeschnitten. Das ist wohl die beste Übergangslösung, weil sich so die Kopfhaut ein wenig an die Umwelt gewöhnen kann. Zusätzlich trage ich Mützen oder Caps.

Thrombose: Thrombosen entstehen durch die Verengungen von Blutgefäßen und erzeugen gefährliche Blutanlagerung, die Lunge und Herz erreichen können. Dieses gefährliche Syndrom ist wie gemacht für Menschen, die während der Chemotherapie dauernd Schläuche in alle möglichen Blutbahnen gesteckt bekommen. Deshalb steigt das allgemeine Thromboserisiko für Chemopatienten und diese erhalten schon vorsorglich Anti-Thrombosespritzen. Diese Spritzen sind leider keine Garantie. Deshalb gilt es bei schweren Beinen oder Armen wachsam zu sein und dem Arzt Bescheid zu geben.

Schleimhautprobleme (Halsschmerzen, Nasenbluten): Gerade nach den stationären Chemophasen hatte ich mit leichten Halsschmerzen oder Nasenbluten zu kämpfen. Diese wurden dadurch hervorgerufen, dass die Schleimhäute anfälliger waren. Es war eher eine Unangenehmlichkeit. Die Schmerzen können aber bei Entzündungen bei einigen Patienten aber zu einem größeren Problem werden. Daher solltet ihr frühzeitig dagegen vorgehen.

Tipps: Halsprobleme habe ich auf drei Arten bekämpft: 1. Viel Wasser/Tee trinken, 2. Salbeibonbons und 3. Salzwassergurgeln. Für die Nase bekam ich ein Nasenöl (kein Nasenspray, das trocknet aus.), welches ich ab und an benutzte.

Magen-Darm (Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung): Die größte Sorge haben viele Chemopatienten vor Übelkeit und Erbrechen. Viele der Zytostatika können diese Nebenwirkungen auslösen. Der „Kotzeffekt“ kann direkt nach der Gabe oder zeitverzögert eintreten. Allerdings wird heutzutage schon vorsorglich ein Mittel gegen Übelkeit verabreicht. Zusätzlich erhält man Pantoprazol, um die Säureentwicklung im Magen zu hemmen. Bisher hatte ich keinerlei Probleme mit Übelkeit. Mich hat lediglich eine leichte Verstopfung getroffen, weil nach dem Krankenhausaufenthalt der Darm ein wenig träge wurde.

Tipps: In einem Krankenhaus haben sie mir Riechsalz mit Pfefferminz gegeben. Zusätzlich ist die Ernährung wichtig. Achtet darauf, nicht zu fettig zu essen. Ich habe meinen Fleischverzehr stark zurückgefahren und viel Wasser und Kamillentee getrunken. Außerdem habe ich oft Gemüsesuppe gekocht (Brokkoli/Blumenkohl), viel Joghurt und Bananen gegessen. Bei Verstopfung habe ich zunächst auf Hausmittel zurückgegriffen: Pflaumensaftextrakt (von Rabenhorst) und meine Bewegung intensiviert. Natürlich gibt es auch noch chemische Abführmittel oder Zäpfen. Diese würde ich aber nur in Absprache mit dem Arzt verwenden.

Schwerhörigkeit/Tinnitus: (folgt)

Empfindungsstörungen (taube Fingerspitzen/Fußspitzen): (folgt)

Haut: Die Zellgifte greifen natürlich auch die Haut und offene Stellen am Körper an (Mundwinkel etc). Durch die angegriffene Zellteilung trocknet die Haut schneller aus und das schwache Immunsystem vermindert die Abwehrkräfte gegen Schmutz. Das kann zu Juckreiz, Pickelt oder Ekzemen führen. Andere berichten von Ausschlag oder einer Farbveränderung der Haut an der Einstichstelle.

Tipp: Ich versuche mein Gesicht ab und an mit Apfelessigwasser zu säubern und dadurch wenigsten den Schmutz aus den Poren zu halten. Das hilft gegen Pickel.

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