Krebs ist eine Krankheit, die am besten möglichst schnell bekämpft wird. Daher ist die Vor- und die Nachsorge extrem wichtig. Wer Zeit verliert oder seine Verräterzellen zu spät entdeckt, hat meist ein Problem. Deshalb möchte ich auf die Krebsnachsorge und im speziellen die Nachsorge für Hodenkrebs eingehen, auch weil ich nach meiner Therapie (Chemo und Operation) und der Reha nun selbst in dieser Phase stecke. Ich habe aber geplant, dass es dabei bleibt. Getreu dem Prinzip: Nachsorge ja, Rezidiv (= Wiederaufkeimen der Krebszellen) nein. Passt oder?

Zunächst muss ich aber auf einen guten Bekannten aller Krebspatienten eingehen: Den Nachsorgeclown! Was meine ich damit? Krebs ist eine Krankheit, die sich verstecken kann. Daher erzeugt sie Ängste und nährt das Kopfkino. Der Kopf kann sich dann in den eigenen Gedanken verfangen. Leider ist das nicht sonderlich lustig. Vor Nachsorgetermine erlebe ich daher immer eine starke Anspannung und bekomme sogar körperliche Ängste. Immerhin kann ein einzelner Blutwert oder ein MRT-Bild über weitere, unschöne Therapieschritte entscheiden. Ich konnte zum Beispiel 30 Minuten lang meine E-Mail mit den Tumormarkern nicht öffnen oder bekam nach meiner Chemo einen Befund mit einem Rezidiv verdacht. Das drückt ziemlich auf den Gemütszustand.

Was passiert in der allgemeinen Krebsnachsorge?

Ziel der Nachsorge ist die frühzeitige Erkennung des Rezidivs und die Beobachtung möglicher Spätfolgen der Tumorbehandlung, weil leider auch eine Chemotherapie Krebs fördern kann. Je nach Krebsart und Erkrankung gibt es verschiedene Nachsorgepläne. Diese Pläne sind meist in den ersten zwei Jahren relativ stark getaktet, weil hier das Rezidivrisiko höher ist. Danach werden die Intervalle ein wenig entspannter.

Was wird gecheckt?

  • Bildgebende Verfahren: Bei allen Krebsarten werden die betroffenen Körperteile regelmäßig mit einem MRT, CT, Ultraschall oder Röntgengerät untersucht. Wobei es oftmals sinnvoll sein kann, das CT zu ersetzen (falls möglich). Dieses Verfahren hat nämlich die höchste Strahlenbelastung
  • Blutbild und Tumormarker: Bei einigen Krebsarten (bei meiner Form des Hodenkrebs oder Leukämie) sind bestimmte Blutwerte sehr aussagekräftig und können hinweise darauf geben, ob die Krankheit noch vorhanden ist.
  • Spiegelungen: Bei Erkrankungen im Bauchraum (Speiseröhre, Magen, Darm, Niere) können auch in der Nachsorge weiterhin Spiegelungen durchgeführt werden, um Engstellen zu finden oder Gewebeproben zu entnehmen.
  • Abtasten: Bei Brustkrebs gibt es verschiedene Tastverfahren, die helfen neue Geschwüre zu entdecken.

Wie sieht die Nachsorge beim Hodenkerbs aus?

Ich will in diesem Beitrag spezifisch auf die Nachsorge bei Hodenkarzinomen eingehen, weil ich davon betroffen bin und daher am meisten Erfahrung habe. Außerdem gibt es bei Hodenkrebs sehr konkrete Richtlinien. Vorweg gilt aber, dass die Nachsorge in der Regel vom jeweiligen Urologen gemacht wird und nur in seltenen Fällen von dem behandelnden Krankenhaus. Daher ist es ratsam gute radiologische Praxen in der Nähe zu finden, die mit dem Urologen zusammenarbeiten.

Bei Hodenkrebs ist das Rezidivrisiko in der Regel nicht sehr hoch. Natürlich kommt es auf den Ursprungskrebs an (seminom, nonseminom) und das Stadium nach IGCCCG-Klassifikation an. Die Rezidivraten liegen zwischen 2-20%

Ich werde nicht auf alle Einzelfälle eingehen, bzw. diese später noch hinzufügen. Mein Grundmodell sieht etwa so aus:

Maßnahme 1. Jahr 2. Jahr 3-5 Jahr
Körperliche Untersuchung 4x 4x 2x
Tumormarker (AFP, β-HCG, LDH) 4x (bei mir monatlich) 4x 2x
Weitere Blutwerte 4x 4x 2x
MRT Amdomen (Bauch) 4x 4x 2x
Röntgen oder CT Thorax (Brust) 2x 2x 1x

Ergänzungen:

Bei den meisten Krebsarten gilt man nach 5 Jahren ohne Rezidiv als „geheilt.“ Trotzdem sollte die Nachsorge nie ganz nachlassen. Sie beginnt zwei bis drei Monate nach eurer letzten Therapie (Chemo oder OP).

Bei mir machen wir im ersten Jahr die Tumormarker monatlich, weil sie ein sehr guter Indikator sind. Leider trifft das nicht bei jedem Patienten zu.

Es gibt eine große Debatte unter Ärzten und auch Patienten, ob ein CT für den Thorax wirklich nötig ist, wenn bei der Grunderkrankung keine Metastasen in der Lunge vorhanden waren. Hintergrund ist die starke Strahlenbelastung des CTs. Daher weiche ich und auch viele andere Patienten auf die Röntgenvariante aus. Zusätzlich sollte der Arzt ab und zu auch den zweiten Hoden abtasten, auch wenn die Gefahr einer erneuten Krebsbildung nicht sehr hoch ist.

Eine komplette Auflistung alle Fälle und eures Stadiums findet ihr in dieser PDF.

Bitte vergesst auch andere Krebsarten (Hautkrebs, Prostata etc.) nicht. Keiner ist durch eine Krebsbehandlung immun. Deshalb schaut zum Arzt, wenn euch etwas komisch vorkommt.

Update:

Oktober 2018: Meine Nachsorge verlief erfolgreich. Das heißt es wurde nichts gefunden. Das MRT vom Bauch war sauber und auch im Röntgenbild für den Thorax wurde nichts entdeckt. Außerdem sind die Tumormarker im Normbereich (am 5.11. werde ich nochmals getestet).

Zusätzlich habe ich eine Enddarmspiegelung gemacht und zwei Leberflecken entfernen lassen. Es kam zu keinen negativen Befunden. Das hat mich gefreut. Ich werde euch auch in der nächsten Runde auf dem Laufenden halten.

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