Heute ist Freitag, der 04.05.2018 und ich bin mal wieder im Krankenhaus. Gestern ist es dann doch passiert, die Blutwerte sind leider nicht gestiegen und ich musste in die Charité Mitte einrücken. Hier liege ich nun im Isolierzimmer und warte bis die Aufbauspritzen wirken. Ich erhalte Filgastrim. Dieses Mittel soll mein Knochenmark anregen, welches für die Bildung von Blut zuständig ist. Im Moment sind nämlich meine Leukozyten (0,8) und meine Thrombozyten (30-40) sehr niedrig. Dadurch habe ich ein starkes Infektrisiko und ein erhöhtes Blutungsrisiko. Ich komme mir mal wieder wie ein rohes Ei vor. Ansonsten bin ich immer noch recht schwach auf den Beinen, aber ich merke schon wie dieser Aspekt besser wird. Heute habe ich mir sogar ein vietnamesisches Sandwich (bánh mì) mit Fleisch bestellt, obwohl ich eigentlich keimfreie Nahrung sollte.

Im Moment findet der Hauptkampf im Kopf statt: Stecke ich mich an, funktioniert meine Lunge richtig (Bleomycin, ein Chemostoff, kann die Lunge schädigen), habe ich Blutungen. Alles absurde Gedanken, aber sie durchkreisen meinen Kopf immer wieder und erzeugen Unruhe. Was ich dagegen mache? Ich bekomme Besuch (die beste Pizzabotin Berlins war heute und gestern da), habe mit einigen Freunden telefoniert und mache progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.

Gerade der zweite Punkte, Freunde und Freundschaft, hat mich in den letzten Tagen gedanklich immer wieder beschäftigt. Man macht bei so einer Krankheit viele neue Erfahrungen. Diese können einen Wandel der eigenen Person und einen potentieller Wandel von Beziehungen zu anderen Menschen (Familie, Freunde oder Bekannte) auslösen. Man überlegt sich, wie Leute auf die Krankheit reagieren, wie man selbst sich zu anderen Leuten verhält und auch ob das alles Sinn macht. Ich hatte definitiv viele positive Erfahrungen. Es gab auch eher kritische und anregende Gespräche, die bestimmte Beziehungen ändern oder deutlicher machen. Dadurch habe ich mehr mir über mich, meine Vorstellungen und auch Freunde und Familie erfahren. Ohne zu tief ins Detail zu gehen, bleibt festzustellen, dass der Prozess zu neuen Erkenntnissen oder Überlegungen über bestimmte Menschen geführt hat. Oft ist auch eine stärkere Verbindung und vor allem Dankbarkeit entstanden.

Ich habe mich über jede Nachricht, jeden Anruf oder jeden Besuch gefreut. Auch wenn am Ende des Tages jeder alleine Entscheidungen treffen muss, sollte keiner alleine sein. Seid für eure Freunde da, wenn sie Hilfe brauchen und hört zweimal hin, manchmal werden Probleme gut versteckt. Das müssen keine großen Krankheiten sein, es kann auch ein mentales oder finanzielles Problem sein.

Jetzt bleibt mir aber nur eins zu sagen: May the 4th be with you!

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