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Heute ist Freitag, der 15.06.2018 und gestern war wieder einer dieser spannenden Tage. Nachdem letzte Woche in meinem Bauch eine 2cm große Raumforderung entdeckt wurde, war klar, dass bald eine Operation ansteht. Die Operation wird am nächsten Donnerstag, den 21.06.2018, stattfinden und ist eine offene RLA (Retroperitoneale Lymphadenektomie). Dabei wird mein Bauch bis über den Bauchnabel aufgeschnitten und die Raumforderung und suspekte Lymphknoten werden entfernt. Wir wollen herausfinden, ob in der Raumforderung aktiver Krebs ist oder nicht. Die Stelle selbst liegt an der Ursprungsstelle des Krebses im Beckenbereich. Daher gibt es die berechtige Hoffnung, dass es nur Narbengewebe und toter Krebs ist. Das wissen wir allerdings erst nachdem die Gewebeprobe aus der OP bestimmt wurde.

Gestern war ich den ganzen Tag über sehr angespannt, weil wir am Mittwoch wieder einmal Tumormarker gemacht haben. Das Tumormarker-Bestimmen stellt mit jedem mal erneut die Frage: „habe ich Krebs?“. Keine schöne Frage. Wenn die Tumormarker nämlich anschlagen, wäre keine Operation angestanden, sondern wir hätten gleich eine neue Chemotherapie (Hochdosis) gestartet. Nach der schlechter Nachricht von letzter Woche hatte ich natürlich Angst, weil definitiv irgendetwas in meinem Körper ist. Ich war sehr angespannt und konnte mich nur mit Arbeit ablenken. Letztendlich habe ich über 30 Minuten gebraucht, um die E-Mail zu öffnen. Immerhin ist eine Hochdosis-Chemotherapie definitiv kein Spaß, weil sowohl die akuten Nebenwirkungen recht stark sind, als auch die Langzeitfolgen noch deutlich stärker ausfallen. Das Gefühl der Erleichterung war dementprechend groß, als ich lesen konnte, dass die Tumormarker nach wie vor im Normbereich sind! Die ersten Chemotherapie scheint also bisher gut geholfen zu haben. Es sieht also gut aus und es bleibt zu hoffen, dass die OP nächste Woche nichts anderes ergibt.

Auf Grund der Erfahrung aus der letzten Woche habe ich gemerkt, dass es wichtig ist, wie man solche Rückschläge mental verarbeitet. Immerhin wurde meine ganze Planung für die nächsten Wochen und Monate umgeworfen. Zunächst war unklar, ob ich eine OP oder vielleicht doch eine Chemo machen muss. Dann ist nicht abzusehen, wie lange die Wundheilung genau dauert und wann ich eine Reha machen kann. Dadurch steht auch mein gebuchter Urlaub in Dänemark auf der Kippe. Das alles klärt sich erst nach der Operation. Zusätzlich hatte ich gerade wieder angefangen zu arbeiten und falle nun wieder für 6-8 Wochen aus. Einige denken sich vielleicht, dass es ganz schön ist nicht zu arbeiten. Arbeit bedeutet für mich allerdings Alltag und im Alltag muss ich mich nicht mit Krebs und Krebstherapien auseinandersetzen. Außerdem wird das Krankengeld nicht ewig gezahlt.

Für mich hat sich die letzte Woche so angefühlt, wie die Anfangsphase nach der Krebsdiagnose. Man versucht erstmal schnell möglichst viele Informationen zu erhalten und diese zu bewerten. Gleichzeitig wird das „hier und jetzt“ viel wichtiger, weil eine sinnvolle Zukunftsplanung einfach kaum möglich ist. Trotzdem muss ich sagen, dass ich nach dem guten Blutergebnis optimistisch bin. Die OP wird nervig, aber mehr hoffentlich auch nicht. Natürlich habe ich mir nach der E-Mail auch eine Pizza gegönnt. Ihr kennt mich mittlerweile: Schließlich ist Essen wichtig!

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