Heute ist Samstag, der 30.06.2018 und ich sitze gerade Zuhause. Ich wollte euch ein kurzes Update geben, wie ich mich nach der Operation fühle.

Der Weg zur Operation war ein Rückschlag. Ich bin nach der Chemotherapie davon ausgegangen, dass sie erfolgreich war. Leider ist Krebs aber eine Krankheit, bei der man sich nie sicher sein kann. Diese Unsicherheit und die daraus entstehenden Ängste begleiten mich unterbewusst. Krebs ist Kopfsache. Gestern zum Beispiel hatte ich stärkere Schmerzen im Bauch und wurde gleich wieder an meine inneren Blutungen erinnert. Ich sitze dann da und denke, ob ich in die Notaufnahme fahren soll. Man hört in sich hinein und verliert langsam das Vertrauen in die Signale des eigenen Körpers: Welcher Schmerz ist gefährlich, welchen Schmerz muss man nun einfach erdulden. Mein Spider-Sense spielt verrückt. Einen Hypochonder wie mich verunsichert das immer wieder und führt dann zu einer kurze Lethargie.

Wie geht es mir nach dem Krankenhausaufenthalt? Operationen sind immer unangenehme Geschichten, aber sehr große Angst hatte ich eigentlich nicht. Ich habe dem Team vertraut und es kam dann auch zu keinen Komplikationen. Die Zeit danach war und ist immer noch kräftezehrend. Bis heute habe ich fast immer Schmerzen. Sie sind erträglich, aber ich merke jeden Schritt und kann den Bauch auch noch nicht richtig einsetzen. Mehr als 10 Minuten gehen ist wirklich unangenehm und schmerzt. Ich versuche aber jeden Tag länger zu laufen. Bewegung ist immer wichtig und hilft der Regeneration. Außerdem schmerzt es wirklich stark, wenn ich huste, niese oder einfach nur lache. Spaß ist daher in meiner Gegenwart verboten!

In diesem Stadium ist es für mich persönlich wichtig, Kontakt zu Leidensgenossen zu suchen. Nur diese wissen, was einen erwarten kann und wie man sich dabei fühlt. Wie auch nach der Chemo fühle ich mich ein wenig „disconnected“ von anderen Menschen, die nicht solche Erfahrungen gemacht haben. Das liegt einfach darin begründet, dass so eine Krankheit auch sehr egoistisch ist. Für mich geht es um alles. Ich nehme Gift, lasse mir den Bauch aufschneiden und es gibt die Chance, dass es wirklich gefährlich wird. Andere Menschen gehen derweil ganz normal ihren Alltagsbeschäftigungen nach, sei es Arbeit oder irgendwelche Hobbies. Ich liege meistens im Bett und schon Computerspielen erzeugt Schmerzen. An sportliche Aktivitäten kann ich erst in 2-3 Monaten denken. Zusammen mit der Chemo geht der ganze Schmarn nun schon seit Januar. Ich war definitiv ab und zu etwas zu vorsichtig. Aber immerhin gab es bisher auch keine Komplikationen. Neben der Vernichtung der Verräterzellen, war das immer mein Hauptziel.

Wie schon während der Chemo hatte ich viel Zeit zum Denken. Zusätzlich lag ich im Krankenhaus zusammen mit einem freundlichen Zimmernachbarn und wir haben viel geredet (teilweise zu viel). Er hat seine Krebsdiagnose von den Ärzen erhalten als ich anwesend war. Das ist immer ein komischer Moment. Ansonsten haben wir über die Macht der Psyche gesprochen und dass man ehrlich zu sich selbst sein soll. Ich hatte schon in der Chemo bemerkt, dass diese Krankheit auch zu einer anderen Sicht auf die eigene Person und gegenüber anderen führen kann. Ich weiß selbst noch nicht genau, an welchem Punkt ich rauskomme, wenn die Krankheit vorbei ist und der Alltag wieder anfängt. Ich habe schon einige Ansatzpunkte. Am Ende muss ich aber selbst mit mir klar kommen, ohne Stress aufzubauen.

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