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Heute ist Dienstag der 27.02.2018 und wir sind nach Steglitz gefahren, um mein neues Hotel für nächste Woche zu begutachten. Die Zweigabteilung der Charité: das Benjamin Franklin Krankenhaus. Der attraktive 70er Jahre-Bau war definitiv eine halbe Berlinreise wert. Leider ist das Gebäude nicht, wie die Charité Mitte, vor 5 Jahren renoviert worden und ich vermute, dass die Betten auch ein wenig älter sind. Aber das hält mich nicht auf. Am 06.03. nächste Woche wird eingerückt und ich bin gespannt, wie die Onkologie-Abteilung geführt wird. Ich habe aber schon positive Dinge gehört. Die Leute wollen einem helfen und solange man freundlich ist, läuft es. Es steht und fällt sowieso alles mit dem WLAN!

Chemo Tag 14: Ärzte & Pläne 2

Benjamin Franklin Krankenhaus in Steglitz

 

Ärzte: Der Ziel des Besuchs war meine Aufwartung bei Herrn Dr. Ochsenreither. Nach einer Tumorkonferenz hatte er nämlich in Absprache mit den Urologen aus der Charité Mitte die Idee mit dem Plan B. Somit wollte ich Bekanntschaft mit der Person machen, die eine Menge giftiges Heilmittel in mich leiten will.

Ich war positiv überrascht. Seine Idee hinter dem Plan und auch sein sonstiges Auftreten waren professionell und sympathisch. Außerdem machen sich auch die anderen Ärzte in der Charité Gedanken über mögliche Eventualitäten und nutzen die komplette Bandbreite aus. Das ist für mich ein gutes Zeichen. Natürlich gibt es immer die Gefahr der Übertherapie, aber wenn man in Eventualitäten denkt, heißt das nicht, dass alles passieren muss oder gemacht werden muss.  Zusätzlich wollten die Verräterzellen mich schonmal verbluten lassen. Das sind also keine Freunde!

Noch eine weitere Anmerkung zu Ärzten: Vertraut ihnen und sucht ein positives Verhältnis. Manchmal kann die Arztsuche dauern, aber es lohnt sich. In der Regel sind sie eure Last Line of Defense und können euch den Arsch retten. Darum lasst euch abchecken, geht hin. Es tut nur weh, wenn die Scheiße am Dampfen ist. Schaltet aber trotzdem euren Verstand nicht aus, fragt nach und holt euch in ernsten Fällen eine Zweitmeinung. Gute Ärzte wissen das zu schätzen. Desweiteren möchte ich an dieser Stelle allen Ärzten, die mich an der Charité betreuen danken (Dr. Schelker, Prof. Dr. Busch, Dr. Stephans, die Chirurgen und Assistenzärze), hinzukommen mein Urologe Dr. Hertel und meine Hausärztin Dr. Haase. Ein ganz besonderer Dank gilt den Spezialärzten Dr. Hillmer und Dr. Kuss. Immerhin hat ein Krebspatient doch mal die ein oder anderer Frage mehr. Krankenschwester und Pfleger haben bisher ebenfalls eine sehr gute Arbeit geleistet und werden  eifrig mit Schokolade & mehr versorgt. Das hat noch nie geschadet!

Für die Mediziner unter euch werde ich noch den Plan vorstellen: Wir werden im 2. Zyklus der Chemotherapie (Beginn 07.03.) die Zusammensetzung der Zutaten ändern und in der PEB-Kombi Bleomycin gegen Ifosfamid tauschen, sprich 5 Tage PEI statt PEB. Der Sinn ist, dass dadurch gleichzeitig die Stammzellenproduktion angeregt wird. Diese Stammzellen werden dann nochmal im Virchow Klinikum herausgefiltert und sie dienen als eine Art Backup. Wenn durch eine Hochdosistherapie das Immunsystem fast völlig abgeschossen wird, kann sich mein Körper mit diesen Stammzellen wieder regenerieren. Grundsätzlich kommt es aber auf das Verhalten der Verräterzellen an, falls die bisherige Chemokombination aus PEB/PEI nicht genügend Zellen tötet, haben wir keine Zeit verloren und könnten dann im 3. Zyklus auf Hochdosis umsteigen. Falls PEB/PEI gute Erfolge aufweist, werden wir den 3. Zyklus wieder PEB in der Charite Mitte machen.

Update: Heute hatte ich die ersten ganzen Haare in meiner Hand. Bald gibt es dann die Fotostory für Haarfetischisten!

 

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