Hodenhochstand und Hodenkrebs – Erfahrungen eines Hodenkrebspatienten

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Ich habe meinen Block in zwei Bereiche geteilt:

In diesem Artikel möchte ich über den Hodenhochstand aufklären. Außerdem spreche ich als ehemaliger Hodenkrebspatienten die Risiken auf eine Krebsentwicklung an.

Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass junge Männer sich bei diesen Themen besser auskennen, um Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Was ist Hodenhochstand?

Bei einem Hodenhochstand liegen einer oder beide Hoden nicht im Hodensack (Skrotum). Der Hoden bleibt im Leistenkanal oder im Bauchraum stecken.

Nun fragt du dich sicher, wieso der Hoden überhaupt im Bauch oder der Leiste ist:

Bei männlichen Embryos entsteht der Hoden im Bauchraum. Der Hoden wandert beim Ungeborenen bis Geburt in den Hodensack, weil hier die Temperatur niedriger ist. Spermien mögen keine Hitze. Bei der Geburt sollten die Hoden zu tasten sein, sonst liegt ein Hodenhochstand vor.

Dabei wird zwischen dem Bauchhoden und dem Leistenhoden unterschieden.

Der Bauchhoden ist nicht tastbar und liegt im Bauchraum. Hier sind die Chancen ihn nach der Geburt in den Hodensack zu befördertn geringer.

Der Leistenhoden liegt in der Leiste.

Zusätzlich gibt es den Gleithoden. Bei diesem Phänom liegt der Hoden im Leistenring. Er kann aber mit einem gewissen Zug in den Hodensack befördert werden, schwingt dann aber immer wieder zurück.

Bei einer Hodenktopie liegt der Hoden an einer Stelle, an die er nicht hingehört.

Verschiedene Lagen bei Hodenhochstand
Verschiedene Lagen bei Hodenhochstand

Der Hodenhochstand wird „Kryptorchismus“ oder „Retentio testis“ genannt und betrifft etwa 3% aller Jungen. Bei Frühgeburten sind zwischen 9-30% betroffen.

Von allen Kryptorchismus-Patienten haben 10% eine beidseitige Variant, spricht beide Hoden haben einen Hodenhochstand. 90% haben den Hodenhochstand nur auf einer Seite.

Quellen:

Fachliche Informationen findest du im Urologielehrbuch: https://www.urologielehrbuch.de/hodenhochstand.html

Weitere Informationen findest du im Leitlinienbericht für Kinderchirurgen und Urologen über Hodenhochstand – Maldescensus testis: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-022l_S2k_Hodenhochstand_Maldescensus-testis_2018-08-abgelaufen.pdf

Wie wird Hodenhochstand erkannt?

Der Kinderarzt untersucht nach der Geburt bei männlichen Babys den Hoden und schaut ob man beide Hoden im Hodensack tasten kann.

Falls nur ein oder gar kein Hoden gefunden wird, macht der Arzt einen Ultraschall um herauszufinden, wo sich der Hoden befindet: Leiste oder Bauch.

Wie gefährlich ist Hodenhochstand?

Grundsätzlich ist ein Hodenhochstand nicht schmerzhaft und erzeugt zunächst keine Symptome. Langfristig kann diese Fehlstellung allerdings zu Problemen führen:

  • Erhöhtes Risiko eine Unfruchtbarkeit zu erlangen
  • Erhöhtes Hodenkrebsrisiko
  • Hormonelle Probleme
  • Hodentorsion

Hodenhochstand begünstigt spätere Unfruchtbarkeit und ist einer der bekannten Gründe für die Entwicklung von Hodenkrebs.

Du musst allerdings keine Angst haben, bei einseitigem Hodenhochstand haben immer noch 87% aller unbehandelten Männer Kinder.

Die Gefahr nach Hodenhochstand ein Hodenkarzinom zu entwickelt ist um 2,75- bis 8-fach erhöht. Die Quelle: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa067588

Aktuelle Literatur spricht von einem 3-fach erhöhtem Risiko. Die Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23193201/.

Das Risiko steigt allerdings, wenn der Hoden in der Pubertät noch im Hodensack liegt. Das heißt, wenn der Hodenhochstand nicht behandelt wurde.

Zusätzlich kann ein nicht behandelter Hodenhochstand eher zu einer Hodentorsion führen.

Ich hatte einen Hodenhochstand mit einem Bauchhoden und habe mit 36 Jahren einen Hodentumor im Bauchraum entwickelt. Weiter unten erfährst du mehr.

Was hilft gegen Hodenhochstand? Wie schaut die Behandlung aus?

Es kommt vor, dass im ersten Jahr nach der Geburt, der Hoden aus dem Leistenkanal noch in den Hodensack wandert. In den ersten 6 Monaten wird abgewartet, wie sich die Lage entwickelt.

Vom 6. Monat bis zum 1. Lebensjahr kann eine Hormontherapie eingeleitet werden, die bei 20% der Babys hilft, dass der Hoden doch noch permanent in den Hodensack rutscht, wenn du einen Leistenhoden oder Gleithoden hast. Dies wird allerdings nur bis zu dem 1. Lebensjahr empfohlen

Wenn der Hoden wirklich im Bauchraum liegt, kann versucht werden, diesen durch eine Bauchspiegelung ind en Hodensack zu schieben. Wenn das nicht gelingt oder der Hoden zu klein ist, wird er entfernt. Die Operation findet nach dem 1. Lebensjahr statt. Ich hatte so eine Operation als Baby.

Wenn du einen Leistenhoden oder Gleithoden hast, kann der Hoden mit einer Orchidopexie am Hodensack fixiert werden. Der Hoden wird einfach festgenäht, so dass er nicht in den Leistenkanal oder rutscht.

Dieser Eingriff dauert nur 20 Minuten und ist minimalinvasiv. Beide Behandlungsmethoden werden am Ende des ersten Lebensjahr durchgeführt.

Wichtig ist Nachsorge: Nach operativen Eingriffen oder nach einer Hormontherapie sollten Kontrolluntersuchungen mit Ultraschall und einem Hormoncheck gemacht werden. Hierbei wird die Lage des Hodens und die hormonelle Entwicklung verfolgt.

Ab dem 15. Lebensjahr sollten die jungen Männer ihren Hoden immer wieder nach Vergrößerungen abtasten, um einen Hodentumor frühzeitig zu erkennen.

Informationen zur Operation: Hier ist eine ausführliche OP-Information der Ammerland Klinik zur Orchidopexie gefunden.

Wie hängt Hodenkrebs mit Hodenhochstand zusammen?

Die Gefahr für Hodenkrebs nach Hodenhochstand wurde oben angesprochen. Aktuelle Studien gehen einem 3-fach höheren Risiko aus.

Es gibt eine Studie aus dem Jahr 2013 in der die Gefahren von Hodenkrebs nach einem Bauchhoden besprochen werden. Das Risiko liegt deutlich höher als bei einem Leisten- oder Gleithoden. Laut dem Bericht gibt es eine 30% Chance auf die Entwicklung von Krebs.

Die Studie ist hier verlinkt: https://bmcresnotes.biomedcentral.com/articles/10.1186/1756-0500-6-166

Allerdings kommt die Entwicklung von Hodenkrebs durch einen Bauchhoden seit den 80er Jahren immer seltener vor. Der Grund ist eine frühzeitige und systematische Behandlung von Hodenhochstand

Meine persönlichen Erfahrungen mit Hodenhochstand

Meine persönliche Erfahrung ist kompliziert. Zunächst zu den Fakten:

Seit ich aktiv denken kann, hatte ich nur einen Hoden. Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich Hodenhochstand habe und im 1. Lebensjahr eine OP erhielt, weil mein linker Hoden im Bauchraum stecken geblieben ist (1982).

Die Ärzte machten daraufhin eine Bauchspiegelung. Laut meinen Eltern, die medizinische Laien sind, wurde kein Hoden gefunden. Damit war die Sache für alle gegessen.

Sowohl meine Eltern, als auch ich habe nicht wirklich über das Thema gesprochen, was sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hat. Dadurch bekam ich keinen Bezug zu meinem Körper und den Risiken. Ein Phänom was bei Männern öfter auftritt.

In meiner Kindheit, Pubertät oder in meinen 20er Jahren ging ich öfter zum Arzt und erzählte allen, dass ich Hodenhochstand und eine Operation hatte. Daher wurde das Thema Hodenkrebs nie aktiv angesprochen. Der andere Hoden wurde natürlich abgetastet, ist aber bis heute unauffällig. Niemand wusste, dass eine tickende Zeitbombe in meinem Körper schlummerte.

Nach 36 Jahren (2018) hatte ich innere Blutungen im Bauchraum, die auf einen Hodentumor zurückzuführen waren. Vermutlich war doch ein Stück des Tumors vorhanden und dieser ist eben entartet und hat Krebszellen entwickelt, die auf eine Vene gedrückt haben. Der Rest ist Geschichte, bzw. Inhalt dieses Blogs.

Zusätzlich hatte ich leichten Testosteronmangel, wenn auch nicht krankhaften. Mein Testosteron lag meist im unteren Normbereich: 12 nmol/l. Die Ärzte haben das zwar wahrgenommen, aber eine Testosteronsubstitution wurde nicht angesprochen.

Was könnt ihr daraus lernen?

Wenn dein Kind einen Hodenhochstand hat, würde ich in der langfristigen Nachsorge immer wieder zum Urologen gehen und schauen, ob sich Hodenkrebs entwickelt.

  • Ab dem 15. Lebensjahr sollte das Kind grundsätzlich über die Risiken aufgeklärt werden und wissen, wie Hodenkrebssymptome durch Abtasten erkannt werden.
  • Zusätzlich sollte die hormonelle Entwicklung durch Blutentnahme verfolgt werden. Wenn der Hormonwert sehr niedrigist, würde ich mit einem Urologen sprechen, weil Folgebeschwerden, wie Erektionsprobleme oder Muskelwachstum etc. ein Thema werden könnten.
  • Es ist wichtig, mit dem Sohn über das Thema zu sprechen und ihn aufzuklären. Die Sachlage sollte nicht dramatisiert werden, weil die Chancen immer noch sehr gering sind.

Wichtiger ist es, dass der Junge ein Gefühl für seinen Körper und die Thematik gewinnt. Dann kann er später bessere Entscheidungen treffen.

Zusammenfassung

  • Hodenhochstand betrifft ungefähr 3% aller neugeborenen Männer.
  • Hodenhochstand sollte frühzeitig erkannt und behandelt werde, weil sonst Risiken wie Unfruchtbarkeit oder Hodenkrebs steigen. Das Hodenkrebsrisiko steigt um das 3-fache.
  • Hodenhochstand kann mit einer einfachen Operation gut behandelt werden.

Hast du Fragen zum Thema Hodenhochstand und Hodenkrebs?

Kontaktiere mich gerne unter patrick@krebskrampf.de.

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