Lesezeit: 2 Minuten
5
(2)

Donnerstag der 15.02.2018

Tag 2 der Chemotherapie hat ausgeschlafen begonnen. Im Gegensatz zu den Vornächten, konnte ich durchschlafen. Die Erklärung hierfür ist wohl die enorme Müdigkeit nach Tag 1 durch den Schlafmangel und die erste volle Giftgabe. Morgens hatte ich einen leicht flauen Magen, aber das Frühstück hat mir keine Probleme bereitet. Nur viel Hunger verspüre ich nicht. Essen muss aber trotzdem rein, da mein Körper nun hoffentlich ans Werk geht und die Verräterzellen vernichtet.

Um 10 Uhr morgens werde ich die zweite Ladung bekommen. Ich bin natürlich gespannt, wie sie wirkt und wann die Nebenwirkungen einsetzen. Jeder wird in einem Krankenhaus sehr viel mehr als im normalen Alltag auf sich selbst zurückgeworfen. Dadurch hört man viel stärker in sich und seinen Körper hinein. Manchmal ist das gut, manchmal bleibend die Gedanken allerdings kleben und man denkt nur noch an das Kranksein. Kein guter mentaler Schachzug. Daher ist auch Ablenkung (Serien oder Filme), Besuch oder sogar Arbeit sinnvoll. Das Mentale spielt eine große Rolle. Ich versuche diesen Punkt mit dem Blog und vielleicht psychologischer Hilfe in den Griff zu bekommen.

Gefühle: Zunächst habe ich mich sehr über die vielen positiven Botschaften gefreut. Eure Botschaften haben mich auch bestätigt, dass es sinnvoll ist offen mit der Thematik umzugehen. Ich hatte lange nachgedacht, wie ich das mache und ob ich es einem größeren Kreis erzähle. Immerhin will man nicht nur als „der Kranke“ angesehen werden. Für mich war es immer wichtig Leuten beizustehen, sei es nur mit einer Nachricht, wenn sie krank sind oder andere Probleme haben. Ich hoffe, dass ich auch immer nach diesem Prinzip gehandelt habe.

Natürlich gibt es nicht nur positive Gefühle. Ich werde zu dem Thema Angst einen ganzen Eintrag schreiben. Es ist ein größeres Thema und betrifft nicht nur Krebspatienten. Ich selbst lebe schon eine ganze Weile mit einigen Ängsten. Als Krebspatient kommen aber definitiv noch drei neue Gedanken hinzu:

  1. Krebspatienten fragen sich vor jeder Untersuchung, ob noch Verräterzellen im Körper sind. Dies erzeugt Anspannung und Unsicherheit vor jedem Tumormarker- oder MRT/CT-Test. Ich bin konkret körperlich angespannt, zittere manchmal vor einem Test. Will aber natürlich auch die Ergebnisse wissen.
  2. Gerade bei langen Therapieverfahren wie Chemo, hat man Zeit viel nachzudenken und erlebt viele Körperzustände (Schwäche, Übelkeit, Haarausfall etc.). Diese Zustände verbrauchen natürlich Energie und führen manchmal dazu alles zu hinterfragen. Zusätzlich gibt es so eine kleine Stimme in mir, die immer wieder sagt: Ja und wenn die Chemo nicht richtig anschlägt. Was dann? Kommen dann wieder innere Blutungen oder schlimmeres? Was soll das. Man versucht sich selbst als Kämpfer zu sehen und stark zu sein, aber das klappt nicht immer.
  3. Die eigene Vergänglichkeit oder ohne Umschreibung: Der Tod. Dieser Gedanke ist zum Glück nicht oft da, aber er kommt manchmal. Was ist los, wenn die Krebszellen nicht besiegt werden. Ich selbst hatte noch keine echte Angst und bin optimistisch (ganz ehrlich, was soll man auch sonst sein?). Außerdem ist Hodenkrebs per se kein Killer. Ich will diesen Punkt trotzdem ansprechen, weil er Teil des Lebens ist. Wie man damit umgeht, muss jeder am Ende selbst entscheiden. Ich denke es gibt viele Wege. Positives Denken ist sicher einer von ihnen. Dazu muss man aber die charakterliche Veranlagung haben, man ändert sich selten von heute auf morgen. Trotzdem möchte ich hier einen guten, kurzen Artikel zu dem Thema verlinken.

Achja und Lobe den Morgen nicht vor dem Abend! Beim Aufwachen war ich noch fit, nun fühle ich schon diese tiefe innere Müdigkeit.

Hat dir der Artikel gefallen?

Klicke auf die Daumen, um den Artikel zu bewerten

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl der Bewertungen 2

Weitere Beiträge über Hodenkrebs