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Ich war letztes Wochenende (05.04. – 07.04.) in meiner bayerischen Heimat, besser gesagt in Rosenheim. Der Anlass war das Frühlingstreffen der Deutschen Stiftung für junge Menschen mit Krebs. Bevor ich in die Details gehe, nehme ich das wichtigste Vorweg: Es war sehr schön und ich möchte mich bei allen Beteiligten und vor allem den Organisatoren der Stiftung herzlich bedanken. Janine, Kristina, Felix & das jung-gebliebene, dynamische Ärzte-Duo, ihr wart toll 🙂

Vorbedingungen:

Wieso bin ich eigentlich zu dem Treffen gefahren? Meine letzte Behandlung war am Juni 2018. Ich merke immer wieder, dass mich das Krebsthema nicht ganz loslässt.

Das liegt zum einen an einer anhaltenden Müdigkeit/Antriebslosigkeit und anderen kleinen unappetitlichen Nebenwirkungen. Zum anderen spielt die psychologischen Verarbeitung eine Rolle. Ich bin zwar schon länger wieder im Alltag angekommen, aber die Erkrankung hat definitiv einen Einfluss auf mein Berufsleben. Aktuelle Themen sind die Müdigkeit, Stundenreduzierung, aber auch ein Jobwechsel. Ein weiterer psychologischer Faktor ist die Angst vor einem Rezidiv oder anderen (Krebs-)Erkrankungen. Diese Angst nistet sich bei bestimmten Symptomen in meinem Kopf ein und ist belastend. Das Vertrauen in meinem Körper ist nicht sehr groß.

Außerdem war der Ort praktisch: Rosenheim liegt bei München, daher habe ich noch einen Urlaub bei meinem Vater angehängt.

Das Treffen:

Das Treffen fand in einem Landschulheim in Bruckmühl statt. Die Einrichtung war gut hergerichtet und dem Zweck angemessen. Das Schulheim war eine schöne Bühne, um entspannte Gespräche zu führen und sich auszutauschen. Dieser Austausch zwischen Betroffenen aus verschiedenen Teilen Deutschlands, Ärzten und auch der Stiftung hat hervorragend funktioniert.

Wie in der Reha, habe ich gemerkt, dass es leicht ist mit Menschen die ein ähnliches Schicksal hatten, ins Gespräch zu kommen. Dabei ging es aber nicht nur um das leidige Thema Krebs, sondern wir haben mit und übers uns selbst gelacht. Durch das Treffen habe ich neben meiner Berliner Krebs-Gang viele andere sympathische Menschen kennengelernt, die sich aktiv engagieren. Ich hoffe, dass ich einige aus München (die drei Mädels von Jukk), NRW und anderen Teilen wiedersehe. Die Atmosphäre war sehr positiv und ich konnte auf eine angenehme Weise Dinge ansprechen, die mich manchmal bedrücken oder beschäftigen.

Zusätzlich haben die Teilnehmer mich inspiriert. Ich möchte mich noch stärker bei dem Treffpunktkonzept der Stiftung und in anderen Belangen engagieren. Bei mir hat das Treffen einen Motivationsschub ausgelöst und ich habe gesehen, dass es viele Bereiche gibt in denen Hilfe sinnvoll ist.

Mein Körper hat mich das ganze Wochenende genervt. Trotzdem habe ich durch die Menschen, ihre Geschichten und den Austausch Kraft gefunden. Berührt haben mich auch einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die noch stärker mit den Nebenwirkungen zu kämpfen haben oder die noch aktiv die Krebsscheiße in sich tragen. Grüße gehen raus nach Kiel und Heidelberg. Leider endet der Kampf nie. So ein Wochenende kann aber eine Pause oder sogar ein Energieschub sein.

Die Aktivitäten:

Die Nähe und auch die guten Gespräche wurden durch ein ausgewogenes Programm und die Aktivitäten ermöglicht. Nach der Eröffnung und einer Vorstellungsrunde am Freitagabend gab es nach dem Abendessen noch ein gemütliches Beschnuppern.

Am Samstag haben wir zunächst ein Brainstorming für die Treffpunkte gemacht und anschließend Ideen gesammelt, um diese zu verbessern. Danach gab es eine „Meet-the-Doc“-Fragerunde mit den beiden Professoren Dr. Diehl und Professor Dr. Freund. Wir haben in einem Gespräch verschiedene Dimensionen, wie Glaube, Beziehung oder Sexualität während und nach der Krebsbehandlung angesprochen.

Anschließend sind wir nach Rosenheim gefahren, um zunächst einem Vortrag zu Krebs und Ernährung von Dr. Klein zu lauschen. Mir wurde dabei klar, dass gesundes Essen nicht nur das Wissen über die Ernährung ist, sondern eben auch der Wille und die Motivation dazu. Viel zu oft weiche ich nämlich durch Zeitmangel und Stress auf schlechte Nahrungsmittel aus.

Das Highlight des ganzen Wochenendes war aber der Kochkurs mit drei sehr sympathischen Köchen des Kultur+Kongress Zentrums in Rosenheim. Die Veranstaltung wurde von den sympathischen Geschwistern Sylvia Schmidt und ihrem urig-bayerischen Bruder Andreas Schmidt initiiert und war ein voller Erfolg. Ich hatte viel Spaß zusammen mit den anderen Teilnehmern Zwiebeln zu schälen, Marvin beim Grillen zuzuschauen und einige Kochtipps zu ergattern. Essen schweißt zusammen und es hat sehr gut geschmeckt.

Nachbetrachtung: Frühlingstreffen 2019 - "Tankestelle für die Seele" 2

Den Samstagabend haben wir gemeinsam am Lagerfeuer ausklingen lassen. Dabei hatten wir gute Gespräch mit der Stiftungsbotschafterin Lea Marlen Woitack. Ich fande es spannend, wie jemand ohne Krebs auf unsere Gespräche reagiert und wie sie in die Gruppe aufgenommen wurde. Dabei habe ich gemerkt, dass viele Probleme einfach auch nur menschlich sind und vor allem der Spaß nicht zu kurz kommen darf.

Am Sonntag gab es ein kurzes Minisportprogramm  bzw. eine Yogastunde zusammen mit Claudia und dem Psychoonkologen Jens Stäudle aus Stuttgart. Er hat uns als Berater und vor allem Mensch durch das Wochenende begleitet und ich hatten viele gute Gespräche. Danke von meiner Stelle aus! Anschließend gab es eine kurze Schlussrunde und die Abreise nach München konnte beginnen. Dort habe ich dann noch eine Woche bei meinem Vater verbracht und viel zu viel Fleisch gegessen. Ich verwechsel nämlich manchmal die 5 Hände voller Obst und Gemüse pro Tag mit 5 Händen voller Fleisch… Bayern halt.

Fazit:

Da reichen wenige Worte: Das Frühlingstreffen der Stiftung war inspirierend, motivierend, ein schönes Beisammensein. Kurzum ein sehr gelungenes Treffen und ich freue mich auf nächstes Jahr.

Mir hat das Wochenende Kraft gegeben und mich darin bestärkt, weiter aktiv zu sein. Außerdem ist es immer eine entspannte Atmosphäre, wenn man „Krebsspastis“ trifft.

Nicht jeder mag Selbsthilfegruppen und jeder muss seinen eigenen Weg mit der Erkrankung und dem Leben finden. Wenn ihr aber Hilfe sucht oder Fragen habt, ist die Stiftung und das Treffpunkt-Angebot ein guter Einstiegspunkt. Hier findet ihr Informationen über die Treffpunkte und eine regionale Karte: https://junge-erwachsene-mit-krebs.de/treffpunkte

Zögert nicht, wenn ihr Fragen habt. Es geht um euch!

 

Die Credits für die Fotos gehen übrigens an Marcel Schürmann und seine Drohne. Tolle Arbeit.

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